Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

21. Juni 2017, 18:00 Uhr

0842

Bruno Gironcoli*

(Villach 1936 - 2010 Wien)

„Hutnadel II“
1989-1991
Aluminiumguss, Holzvitrine, verglast
196 × 150 × 49 cm;
Auflage: 1 E. A. (dieses Exemplar) und 3 Stück;
Gießer: Rabas, Wien

Provenienz

Privatbesitz des Künstlers;
Galerie Judith Walker, Kärnten;
seither 1996 Privatbesitz, Kärnten

Ausstellung

1988 Antwerpen, Galerie Jos Jamar;
1991 Innsbruck, Galerie Elisabeth und Klaus Thoman;
1993 Mürzzuschlag, Kunsthaus Mürzzuschlag, Jahresmuseum;
1994 New Yor, Austrian Cultural Institute;
1995 Bregenz, Palais Thurn & Taxis, Bregenzer Kunstverein;
1995 Rouen, École d'Architecture de Normandie;
1999 Weizelsdorf, Schloss Ebenau;
2006 Innsbruck, Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum; Kraichtal, Ursula Blickle Stiftung;

Literatur

Bettina M. Busse (Hg.), Bruno Gironcoli. Die Skulpturen 1956-2008, Ostfildern, 2008, Abb. S. 317.

Katalogabbildungen:
Galerie Elisabeth & Klaus Thoman 1991, Abb. o.S.;
Jahresmuseum Mürzzuschlag 1993a, Abb. o.S.;
Jahresmuseum Mürzzuschlag 1993b, Abb. o.S.;
Bregenzer Kunstverein 1995, Abb. S. 108, 109;
Robert Fleck 1995, Abb. S. 20;
Peter Weiermair 2006, Abb. S. 36

€ 100.000

Der Werktitel „Hutnadel“ hebt einerseits den Stellenwert von Alltagsprodukten als gängige Motiv-Vorlagen Bruno Gironcolis hervor, und andererseits die Bedeutung von Dekor als ein bewährtes Gestaltungsmittel des Künstlers. Blattwerk-, Schnecken- und Volluten-Formationen – Variationen barocker Dekorelemente – bestimmen die Wirkung der Arbeit wesentlich mit. Diese floral-ornamentalen Applikationen mit organischen Zügen trägt ein Amboss-ähnlicher, mechanisch-biomorpher Formzwitter. Die unterschiedlichen Motiv-Variationen vereinen sich zu einem verspielten Gesamtorganismus, der einem Gemälde gleich von den dunklen Leisten einer Holzvitrine gerahmt und von deren Glas geschützt wird. Die Vitrine verleibt sich den Aluminiumguss ein. Rahmung und Glaswände definieren eine konkrete Negativ-Form des Metallobjekts. Dieser von der Vitrine begrenzte Raum ist Teil der Komposition. Metallhybrid und Vitrinenkonstruktion kombiniert Gironcoli zu einem Gesamtwerk.
Bereits in frühen Arbeiten setzt sich Bruno Gironcoli mit Präsentationsformen von Kunst auseinander. Immer wieder verbindet er Tisch-, Podest- und Altar-Konstruktionen mit seinen Objekten. Er befeuert damit den Sockel-Diskurs und thematisiert die Frage nach der Wertigkeit und den Konventionen von Kunst. (vgl. hierzu: Peter Weiermair in: Bruno Gironcoli. Skulpturen – Arbeiten auf Papier, Innsbruck 1991, S. 2)
Laut Peter Weiermair suggeriert die Vitrine, „dass es sich um ein kunst- oder kulturhistorisches Relikt handeln könnte. […] Die Vitrine ist eine Form, das Objekt in den Mittelpunkt des Interesses zu rücken. Sie steigert den Kunstcharakter. “ (Peter Weiermair in: Bruno Gironcoli. Skulpturen – Arbeiten auf Papier, Innsbruck 1991, S. 2) Die Vitrine verleiht dem Objekt einen antiquarischen Wert. Hutnadeln gelten schließlich schon lange nicht mehr als alltagstauglich, sondern vielmehr als ausgefallene Unikate.
Eine zweite Arbeit mit dem Titel „Hutnadel I“, die zur gleichen Zeit entsteht, zeigt ebenfalls die erstmals von Gironcoli um 1970 angewandte Objekt-Kombination aus Vitrinenschrank und Metallskulptur. Antennen- oder Fühler-artige Stäbe streben senkrecht aus einer dominanten, metallenen Floßform. In „Hutnadel II“ hingegen gestaltet der Bildhauer die Formverhältnisse des Metallobjekts ausgewogener. Ornamentale, biomorphe und mechanische Elemente gehen eine hierarchielose Verbindung miteinander ein. (Isabell Kneidinger)