Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

21. Juni 2017, 18:00 Uhr

0844

Richard Artschwager*

(Washington 1924 - 2013 Albany, N.Y.)

„Untitled (32)“
1995
Holzkonstruktion
H. 139,5 cm, B. 81 cm, T. 38 cm
Signiert und datiert: Artschwager 1995

Provenienz

Mary Boone Gallery, New York;
Galerie Georg Kargl, Wien;
Privatbesitz, Wien

€ 25.000 - 50.000

In den späten 1950er Jahren verdient sich Richard Artschwager Geld mit der Fertigung von Möbeln und eröffnet eine Tischlerei, deren Entwürfe derart meisterhaft sind, dass sie kurze Zeit später in einer Ausstellung im New Yorker Museum of Contemporary Crafts (heute Museum of Arts and Design) gezeigt werden. Die Handfertigkeiten, die er sich in dieser Zeit aneignet, bringen ihm den Spitznamen „philosophierender Schreiner“ (http://germangalleries.com/Haus_der_Kunst/Artschwager.13.html, Stand: 10.5.2017) und fließen in sein skulpturales Werk ein, das er in weiterer Folge parallel zu seiner Malerei entwickelt. Die Gleichzeitigkeit von Zwei- und Dreidimensionalität prägen sein Werk und seine Anschauung, sowie die ständige Infragestellung der strikten Trennung von Abbild und Objekt.

Die amerikanische Kunstwelt der 1960er Jahre ist geprägt von Pop-Art, Minimalismus und Conceptual Art. Alles bisher Dagewesene wird ironisch bis kritisch hinterfragt, entpersönlicht, objektiviert und reduziert bis letztlich das Konzept, die Idee selbst zum Kunstwerk wird. Es geht darum, neue Regeln zu erfinden, gewohnte Sichtweisen und vorgeprägte Zusammenhänge in Frage zu stellen, letztlich die Welt selbst mit neuen Augen zu sehen. Richard Artschwagers Skulpturen, die vielfach auf geometrische Grundformen (primary structures) reduziert, mit dem Gegensatz von Fülle und Leere spielen, stehen formal wohl am ehesten dem Minimalismus nahe, seine Philosophie geht aber darüber hinaus. Ihn interessieren die Eigenschaften der Dinge. „Kunst ist Schauen“ sagt er selbst (http://www.monopol-magazin.de/eine-kirche-dem-zweifel, Stand: 9.5.2017), sie ist Wahrnehmung und Darstellung unseres Sehens. Nicht der Gegenstand selbst, sondern dessen Deutung und Nutzung in unterschiedlichen Kontexten interessieren den Künstler, sowie der Raum, den er einnimmt, sein Maßstab, die Perspektive.

In den 1990er Jahren entsteht eine Werkgruppe, „Group of Crates“ genannt: Skulpturen in der Form von hölzernen Versandkisten, wie sie für Überseetransporte verwendet werden, Hybride aus Nutzungsform und Widersinn. In „Untitled (32)“ von 1995 verbinden sich die Boxen zu einer Stele monumentalen und archaischen Charakters. Die Form mutet wie ein auf den Kopf gestelltes „T“ an. Die Lebendigkeit des Werkstoffes Holz mit den ausgeprägten Astlöchern steht im Gegensatz zu den starren Formen des Objekts. Verschlossene Seiten kontrastieren mit Öffnungen. „Mein Ziel ist es, meine Arbeit mit Eigenschaften von Grazie, Schönheit, Monumentalität, Ehrfurcht, Zielbewußtsein, Sinn für das Ewige, Reinheit, Wahrheit, Handwerkskunst, bedeutsamer Form, Dauerhaftigkeit, Ehrlichkeit und Kraft zu erfüllen.“ (Dieter Schwarz (Hg.), Richard Artschwager, Texte und Interviews, Düsseldorf 2003, S. 14) (Sophie Cieslar)