Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

29. November 2016, 18:00 Uhr

0205

Ernst Klimt

(Wien Penzing 1864 - 1892 Wien)

„Drei Musen, Entwurf zum Plakat der "Internationalen Ausstellung für Musik und Theaterwesen"“
1892
Öl auf Leinwand
84 × 59,5 cm
Signiert links unten: Ernst Klimt.

Provenienz

österreichischer Privatbesitz;
im Kinsky Wien, 24. 02. 2009, Nr. 59;
europäische Privatsammlung

Literatur

Vergleiche: Alfred Weidinger (Hg.), Gustav Klimt, München 2007, WV-Nr. 84, S. 250 sowie Tobias G. Natter (Hg.), Gustav Klimt. Sämtliche Gemälde, Köln 2012, WV-Nr. 71, S. 545 (Entwurf von Gustav Klimt zum rechten Teil des Plakates)

€ 60.000

"Die Wiener Musik- und Theaterausstellung findet unter dem offiziellen Namen Internationale Ausstellung für Musik- und Theaterwesen vom 7. Mai bis zum 9. Oktober 1892 im Wiener Prater statt. Sie ist eine Großveranstaltung, die über eine Million Besucher anzieht. Ihr Ziel ist eine 'Anregung und Förderung für Wissenschaft und Kunst', und die Neue Freie Presse sieht in ihr gar einen 'friedlichen Kampfplatz künstlerischen Wetteifers'. Die Veranstalter laden die Künstler-Compagnie ein, das Plakat und das Titelblatt des Programmheftes zu entwerfen. Der Vorschlag von Gustav Klimt zeigt eine leere Mauerfläche, auf deren Gesims eine Büste des griechischen Gottes der Musen als Phoibos Apollon thront. Die leere Mauerfläche soll in der Ausführung Platz für den Ausstellungstitel und Veranstaltungsdaten liefern. Doch schließlich entscheiden sich die Veranstalter für die Vorstellungen von Gustavs Bruder Ernst Klimt. Der stellt in einem genauso hochrechteckigen Format drei Musen vor goldenem Hintergrund dar und liefert in Kombination mit dem Entwurf seines Bruders den Gesamtentwurf für das 'wirkungsvolle Plakat' (Tietze 1927), indem er beide Darstellungen nebeneinander setzt und aus den beiden Hochformaten mit einigen formalen Veränderungen ein Querformat entsteht." (T. Natter, Gustav Klimt. Sämtliche Gemälde, 2012, S. 545)

Auf goldenem Grund stellt Ernst Klimt drei Musen dar: Thalia, die Göttin der Komödie, Euterpe, die lyrische Poesie und Melpomene, die Personifikation der Tragödie. Thalia, die Festliche, trägt einen Blumenkranz im Haar und weist eine lachende Theatermaske vor. Die in ein rotes Kleid gehüllte Euterpe, die Erfreuende, zeigt mit ihrer Doppelflöte auf Apollo, den Gott der Künste, der am rechten Teil des Plakats als Büste, von Lichtstrahlen hinterfangen, zu sehen ist. Auf Apollo und dessen Liebesdichtung verweist auch die auf dem marmornen Treppenabsatz gelagerte Leier. Melpomene, die Singende, steht mit ihrer bekümmerten Miene und dem Dolch in ihrer rechten Hand für die literarische Gattung des Trauerspiels.

So wie sein älterer Bruder Gustav besucht Ernst Klimt ab 1877 die Kunstgewerbeschule des Österreichischen Museums für Kunst und Industrie. Die Brüder Klimt sind Schüler von Ferdinand Julius Laufberger (1829-1881), einem erfolgreichen Maler und Dekorateur der Wiener Ringstraßen-Ära. Laufberger vermittelt den Kontakt zwischen den Klimt-Brüdern und Hans Makart, durch den sie bei der Ausführung des Festzuges zu Ehren der silbernen Hochzeit des Kaiserpaares mitarbeiten können. Gemeinsam mit Franz Matsch gründen Ernst und Gustav 1881 eine Künstler-Compagnie und haben ein eigenes Atelier in der Sandwirtgasse in Wien. Zu Ernst Klimts größten Aufträgen zählen Ausstattungsbilder für Theaterbauten in Karlsbad, Fiume, Reichenberg und Wien (k.k. Hofburgtheater), fünf Deckengemälde im Schloss Mondsee sowie Arbeiten für das rumänische Königsschloss Peles in Sinaia (Rumänien). 1891 heiratet Ernst Klimt Helene Flöge, die Schwester von Klimts Freundin Emilie Flöge. Nach dem Tod Ernst Klimts am 9. Dezember 1892 zerbricht die Compagnie.