Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

08. Juni 2016, 18:00 Uhr

0919

Otto Muehl*

(Grodnau/Bgld. 1925 - 2013 Moncarapacho/Portugal)

„o.T.“
1983
Öl auf Leinwand; ungerahmt
140 × 180 cm
Signiert und datiert rechts unten: muehl 83

Provenienz

Privatbesitz, Deutschland

Die Authentizität dieser Arbeit wurde uns vom Archives Muehl (Daniele Roussel) bestätigt. Wir bedanken uns für die Mithilfe!

€ 25.000 - 50.000

1983 ist der Höhepunkt der Kommune am Friedrichshof erreicht. Die Bewegung ist, rechnet man die etwa 25 internationalen Ableger dazu, auf 600 Mitglieder angewachsen. Der Friedrichshof, ursprünglich das heruntergekommene Wirtschaftsgebäude eines großen Gutshofes, wird um neue Wohnräume, Speisesäle, Versammlungsräume, Stallungen und Gästehäuser erweitert. Es finden Mal- und Selbstdarstellungskurse für die Mitglieder der Kommune aber auch für Besucher statt. Musik spielt eine große Rolle und begleitet die Kommunarden durch den Tag. In diese Zeit fällt auch die verstärkte Kontaktaufnahme zur Kunstwelt, von der man sich davor abgeschottet hatte. 1983 besucht Joseph Beuys den Friedrichshof und die Ausstellung „Brus-Muehl-Nitsch / Vom Informel zum Aktionismus“ zeigt 1984 erstmals die Werke der Gründungsväter des Wiener Aktionismus vereint in einer Werkschau. Theo Altenburg, deutsche Fotograf, Filmemacher und Künstler dreht Filme vom Leben in der Kommune. Er begründet das Kunstbüro Friedrichshof mit, ist Herausgeber der AA-Nachrichten, einer Zeitschrift für alternativen Lebensstil, und betreut die stetig wachsende Kunstsammlung der Kommune.

In den Selbstdarstellungskursen wird auch getanzt, allein und in Gruppen, die oft ekstatischen Tanzszenen fließen in das Schaffen der frühen 1980er Jahre ein. In dieser Zeit ist Otto Muehls malerische Schaffenskraft auf einem Höhepunkt. Die Bewegungsstudien werden in einer äußerst expressiven Malweise eingefangen, ähnlich wie die kurz darauf ab 1984 entstandene Serie der Van Gogh Bilder. Van Gogh war für Muehl das Paradebeispiel eines anarchischen Künstlers, der außerhalb der Gesellschaft steht, ihre Normen negiert und gegen sie rebelliert. Die „Tanzbilder“, wie vorliegendes Werk „Ohne Titel“, sind bestimmt von grellen leuchtenden Farben und einem heftigen, zuckenden Pinselstrich. Otto Muehl „hat das flächige farbige feuer entfacht, die komplementär-kontraste jubeln hoch“ (Otto Muehl. Leben / Kunst / Werk. Aktion Utopie Malerei 1960 – 2004, Ausstellungskatalog, MAK, Wien 2004, S. 18). Durch die Malweise tanzt das Bild quasi selbst: „der aktionist verwandelt das leben selbst zur kunst“ (Katalog, MAK, S. 19). Die „emotionelle energie, als kunst zur explosion gebracht, produziert das glück der ekstase“ (Otto Muehl, Aktionismus und Kunst, 2004, in: Katalog, MAK, S. 18) (Sophie Cieslar)