Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

08. Juni 2016, 18:00 Uhr

0931

Oswald Oberhuber*

(Meran 1931 - 2020 Wien)

„Lust auf“
1949
Bronze; Gießerei und Gussjahr unbekannt, in einer Auflage von vermutlich 5 Exemplaren (derzeitiger Wissensstand); kein Exemplar ist nummeriert
126,1 × 75,5 × 63,0 cm

Provenienz

österreichische Privatsammlung

Literatur

Stephan Ettl (Hg.): Oberhuber hoch 3. Skulpturen, Plastiken, Objekte, Verformungen, Assemblagen, Möbel, Mode, Raumkonzepte. Werke 1945-2012, Wien 2013, Abb. S. 56;
Oswald Oberhuber und die informelle Plastik, Dissertation von Jolanda Trojer, Innsbruck 2004, Abb. 238.

Die Bronze ist im Band (Oberhuber hoch 3) unter der Nummer 0039G verzeichnet.
Wir danken Herrn Stephan Ettl für die Mithilfe!

€ 20.000

„Kunst wird nur dann begriffen und verstanden, wenn das Verlangen danach vorhanden ist. Es ist ein Gefühl wie Hunger und Durst, eine Notwendigkeit, der man durch inneren Zwang ausgesetzt ist, kein Entrinnen ist mehr möglich.“ (Oswald Oberhuber) Diese Einschätzung Oswald Oberhubers liest sich wie eine Anleitung zu einem Werk, das eine geradezu verwirrende Menge künstlerischer Standpunkte bietet und dabei stets bahnbrechend und tonangebend ist. Oberhubers ungemeine Vielfalt im Ausdruck macht vor keiner Genregrenze, keinem Material, keiner Handlung halt und verweist auf eine einsgerichtete Auffassung, die nur tiefem Verlangen, ja, Hunger nach Kunst und all ihren Möglichkeiten geschuldet sein kann. Oswald Oberhuber nimmt in den späten 40er Jahren begierig die frischen Strömungen der internationalen, besonders der französischen, Kunstszene auf. Neue Eindrücke des Informel setzt er in Malerei und Grafik um, geht aber mit seinen informellen Plastiken einen Schritt weiter und wird damit auch international bestimmend – um sich bereits in den 50ern, als die Gegenstandslosigkeit in voller Blüte steht, der Gegenständlichkeit zuzuwenden.
In dieser frühen Bronze ist die Figur beinahe gänzlich in Linien und Bewegung aufgelöst, deren Spannung sich im Kreislauf der Skulptur erhält. Der kraftvollen Kantigkeit der Arbeit wohnt dabei eine Frische, ein Gefühl von Versuch und sich Herantasten inne, wie sie für Oberhubers Kunst typisch ist. Ein ruheloser Suchender nach neuen Möglichkeiten nimmt er so im österreichischen und internationalen Kunstgeschehen eine Sonderposition ein, von deren Unbeugsamkeit diese frühe Arbeit beeindruckendes Zeugnis ablegt. (Nina Binder)