Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

08. Juni 2016, 18:00 Uhr

0930

Josef Pillhofer*

(Wien 1921 - 2010 Wien)

„Liegender Mann“
1964
Bronze; Auflage: 3/8
30 × 121 × 35 cm
Signiert seitlich am rechten Fuß: J.Pillhofer (mitgegossen); nachträglich punziert am Kopf oben: P 3/8

Provenienz

direkt beim Künstler erworben;
seither Privatsammlung, Deutschland

Literatur

Künstlerhaus (Hg.): Pillhofer. Das Ideal der Proportion. Wien 2011, Abb. S. 84.

€ 25.000 - 50.000

„Schau Dir den Picasso an“ pflegte Fritz Wotruba zum jungen Josef Pillhofer zu sagen, der von 1947 bis 1950 bei ihm studiert hatte. (Anne Katrin Feßler, Der Standard, Wien, 3.8.2010) Und er schulte so das Auge des Studenten für die geometrischen Grundformen, die nach dem kubistischen Kunstverständnis die Bausteine der Welt sind. Auch sein Lehrer an der Grand Chaumière in Paris, Ossip Zadkine, prägte früh das Kunstverständnis Pillhofers. Zadkine verstand es wie kein anderer in seiner Kunst die menschliche Figur in ihrer Dramatik und Emotionalität mit der analytischen Geometrie des Kubismus zu verbinden. Die Skulptur hatte im Paris der 1950er Jahre eine Hochblüte, der junge Österreicher lernte Constantin Brancusi, Henri Laurens und Alberto Giacometti kennen und formte seine Kunst so in einem Umfeld, das die bedeutendsten Plastiken des 20. Jahrhunderts hervorbrachte.

Josef Pillhofers Werk ist geprägt von dem analytischen Grundgedanken, den er im Kubismus kennengelernt hatte. Dabei geht er meistens von der menschlichen Figur aus, die er konsequent auf einfachste geometrische Grundformen reduziert. Tektonik und Räumlichkeit sind von großer Bedeutung, er nähert sich seinen Figuren gleichsam von innen her, um ihre Struktur zu erfassen. „Meine Arbeit hat mich gelehrt, dass die Bestimmung einer endgültigen Form von der Vorstellung eines inneren Zentrums, dem alle bildnerischen Verhältnisse zugeordnet sein müssen, abhängt. Der Umriss, die Silhouette, ist die Begrenzung, welche von innen her bestimmt wird und der Masse der Materie zu einem harmonischen Erscheinungsbild verhilft.“ (Josef Pillhofer, cit.: www.k-haus.at/de/ausstellung/55/josef-pillhofer.html)

Der „Liegende Mann“ ist bestimmt von einem gekonnt ausbalancierten Gleichgewicht der Volumina. Die ineinander verschachtelten Grundformen springen nach vor und zurück und schaffen ein Wechselspiel aus Licht und Schatten. Die Figur ist geprägt von der ihr innewohnenden Körperspannung und gleichzeitig einem Moment der Entspanntheit, das durch die Pose des liegenden Mannes mit einem angezogenen Bein und den hinter dem Kopf verschränkten Armen entsteht. (Sophie Cieslar)