Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

07. Juni 2016, 18:00 Uhr

0274

Max Weiler*

(Absam bei Hall i. Tirol 1910 - 2001 Wien)

„Kirschblütenzweig“
1949
Öl auf Leinwand
86,5 × 86,5 cm
Monogrammiert und datiert links unten: W 49
Rückseitig auf Leinwand und Keilrahmen (nachträglich) signiert: Weiler 12. X. 92 sowie bezeichnet: Max Weiler / Innsbruck / Sternwartestraße / 14

Provenienz

Vera und Erich Preyer, Hinterbrühl;
Hassfurther Wien, Auktion am 21. 06. 2010, Lot 54;
österreichischer Privatbesitz

Literatur

Max Weiler. Aus der Natur gemacht: Bilder von 1927 bis 1997, Verein der Freunde des Werkes Max Weilers (Hg.), Wien 1997, Abb. S. 64;
Wieland Schmied, Max Weiler. Ein anderes Bild der Natur. Der Weg zum Spätwerk, Salzburg 1998, Abb. S. 50

€ 50.000 - 100.000

Unmittelbar nach Kriegsende 1945 beginnt Max Weiler mit der Arbeit an den Fresken in der Theresienkirche auf der Hungerburg in Innsbruck. Er will mit seinen Wandbildern geistige und religiöse Inhalte erneuern und stößt damit auf großes Unverständnis und Ressentiments seitens der Bevölkerung und auch seiner Auftragsgeber. Die öffentliche Diskussion mündet in einem Gerichtsprozess und einer Inspektion des Werkes durch Beauftragte des Vatikans. Die späten 1940er Jahre bringen einen Parisaufenthalt und eine Neuorientierung im Schaffen des Künstlers. Weiler reist 1949 in die Hauptstadt der Kunst und lernt Nicolas de Staël und Alfred Manessier kennen. Er beschäftigt sich mit der Kunst der Fauves ebenso wie mit der Malerei des Informel und der lyrischen Abstraktion. Zunächst macht er sich aber daran, die Energie der Farbe zu entdecken und sie aus dem Korsett des Gegenständlichen zu lösen.

„In der Farbigkeit macht sich Max Weiler die Prinzipien der Fauves zu eigen, er löst die Farbe vom Gegenstand, übersteigert sie, um sich in weiterer Folge darüber hinaus zu entwickeln. Er war um diese Zeit längst zu ‚selbständig und zu erfahren, um sich auf eine wörtliche Auseinandersetzung mit dieser Kunst einzulassen. Eher kann man von einer freien Aneignung reden, in der er vor allem die unmittelbare und ungebrochene Kraft der Farbe entdeckte und sie zu jener durchdringenden Präsenz brachte, die von jetzt an seine Bilder auszeichnen sollte.“ (Gottfried Boehm, Der Maler Max Weiler. Das Geistige in der Natur, Wien 2001, S. 92)

Im „Kirschblütenzweig“ von 1949 sieht man die Weichen, die Max Weiler für die kommende Weiterentwicklung stellt. Noch malt er in Öl – 1950 geht er zur Temperamalerei über -, die menschliche Figur ist aus seinen Darstellungen verschwunden, die Natur beginnt die Leinwand für sich allein zu erobern. Chiffrenartig stehen einzelne vom Bildrand stark beschnittene Elemente, wie hier das Ende eines blühenden Kirschzweiges, flankiert von saftig grünen Blättern als pars pro toto für die Gesamtheit der Natur. Die annähernd quadratische, fauvistisch anmutende Komposition ist bestimmt von einer intensiven Farbgebung, einem offenem Pinselstrich und dicken Randlinien. Das Licht strahlt aus den Farben selbst, die weißen Blüten sind wie eine leuchtende Fackel, die im Kontrast zum braunen Bildgrund auch die jungen zartgrünen Blätter des Kirschzweiges und die herankeimenden, türkisen Triebe daneben grell beleuchtet. Der ganze Bildraum wird von Farbenergien beherrscht, da blitzt ein Rot, ein intensives Blau und Türkis unvermutet, spontan ins Bild gesetzt hervor. Dieses wird umgewandelt in ein „energetischen Feld, in dem die Zeichen zu besonderen Trägern des Ausdrucks werden.“ (Boehm, S. 96) (Sophie Cieslar)