Auktionshaus

Auktion: Alte Meister

12. April 2016, 15:00 Uhr

0078

Jan Brueghel der Jüngere

(1601, Antwerpen - 1678, Antwerpen)

„Ruhe auf der Flucht nach Ägypten mit Engeln“
Öl auf Holz
59 × 84 cm

Provenienz

bis 1928 wohl Sammlung Paul Graf von Merveldt auf Schloss Marienfeld;
Versteigerung Sammlung Graf Merveldt, u.a., Heberle Köln, 6. November 1928 (als Jan Brueghel d.Ä. und Hendrik van Balen);
Sammlung Paul Ackermann, Stuttgart;
Versteigerung Sotheby's, London, 19. April 1967, Lot 107 (als Jan Brueghel d.Ä. und Hendrik van Balen);
Kunsthandel Lore Baumkotter, London 1991 (als Jan Brueghel d.J.);
europäische Privatsammlung

Ausstellung

1993 Kunstverein Grevenbroich ("Das Niederländische Kabinettbild des 17. Jahrhunderts")

Literatur

Prof. Dr. Weber, Das Wunder der Weihnacht, Weihnachtsbild in der "Welt am Sonntag" zum 4. Advent 1991 (Abb.);
Gabriele Broens (Hg.), Das niederländische Kabinettbild des 17. Jahrhunderts. Flämische und holländische Meister aus Privatbesitz, Ausstellung des Kunstvereins Grevenbroich e. V., Haus Hartmann am Alten Schloss 7. bis 28. November 1993, S. 18f., Kat.-Nr. 4 (Abb. & Titelabbildung);
Katlijne va der Stighelen/Hans Vlieghe, Cornelis de Vos als Historie- en Genreschilders, in: Meddelingen van de Koninklijke Academie voor Wetenschappen, Letteren en Schone Kunsten van Belgie, Brüssel 1994, S. 18 und 62, Abb. 20;

Gutachten Dr. Klaus Ertz, Freren, den 27. August 1991, liegt bei.

€ 150.000 - 300.000

Auf einer Waldlichtung sitzt, halblinks auf einer Steinbank, Maria. Bekleidet ist sie mit einem roten Gewand, über ihrem Schoß liegt ein blaues Tuch, das bis zu den Füßen herabfällt und das Haar wird von einem langen gelben Schleier gehalten. Sie neigt ihr Haupt dem auf ihrem Schoß sitzenden, nackten Jesusknaben zu, der sich ebenfalls der Mutter entgegenreckt. Links hinter ihr, Joseph der gerade dabei ist eine über ihm wachsende Rose zu pflücken. Er ist mit einem dunklen Gewand bekleidet über das ein leuchtend roter Überwurf hängt. Rechts neben ihm steht ein halb verdeckter, beflügelter Engel. Neben Maria auf der Steinbank sitzt ein zweiter beflügelter Engel, im Gespräch mit einem auf ihn zukommenden, dritten Engel, der von den Hüften abwärts einen gelben Umhang trägt. Zwischen diesen beiden Engeln stehen zwei Putti, die zum Kind aufblicken.
Ein blühender Rosenstrauch schließt die Szene auf der linken Seite ab, rechts wird die Darstellung von einem Apfelbaum, an dessen Wurzeln Rosen, Iris und andere blühende Blumen stehen gerahmt. Hinter der Heiligen Familie mit den Engeln erkennt man einen weiteren, dicht belaubten Baum, der zusammen mit den anderen beiden Pflanzen im oberen Bildteil wie ein großes Blätterdach wirkt. Somit schaffte der Künstler einen abgeschlossenen Raum, in dem sich diese Ruheszene abspielt. Malerisch besonders hervorzuheben sind nicht nur die verschiedenen Blumen am rechten Wegesrand, sondern auch die stilllebenartig präsentierten Früchte mit zwei aufgebrochenen Paradiesäpfeln und einer Traubenrebe im zentralen Vordergrund.
In der rechten Bildhälfte wird der Blick des Betrachters im Hintergrund auf eine waldige, leicht hügelige Ebene gelenkt, auf der ein Esel zu erkennen ist. Dieser weist offensichtlich auf die biblische Geschichte der „Flucht nach Ägypten“ hin, in der Maria und das Kind von einem Esel getragen werden. Darüber, von den Bäumen teilweise verdeckt, ein strahlend blauer, leicht bewölkter Himmel, der von einigen Vögeln belebt wird. (vgl. Gutachten Dr. Klaus Ertz)

Aufgrund seiner hervorragenden Qualität galt vorliegendes Gemälde lange als Gemeinschaftswerk von Jan Brueghel den Älteren (1568-1625) und Hendrik van Balen (1575-1632). Im Jahre 1991 ordnete Dr. Klaus Ertz das Werk in seinem Gutachten Jan Brueghel dem Jüngeren zu, welcher nach dem Tode des Vaters 1625 dessen Atelier übernahm und auf höchstem Niveau fortführte. Jan Brueghel schuf die Landschaft, die Blumen und Stilllebenelemente. Die Figuren stammen nach Meinung von Dr. Klaus Ertz von Frans Wouters (1612-1659) und er datiert das Gemälde in die 1640er Jahre. 1994 haben Prof. Dr. Hans Vlieghe und Dr. Katlije van der Stighelen das Gemälde dann in einer Publikation zu dem Antwerpener Figuren-und Porträtmaler Cornelis de Vos (1584-1651) als Werk Jan Brueghels d.J. mit den Figuren von Cornelis de Vos (1584-1651) aufgenommen. Letztere datieren das Gemälde bereits um 1620/25.