Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

24. November 2015, 16:00 Uhr

0098

Josef Stoitzner*

(Wien 1884 - 1951 Bramberg im Pinzgau)

„Heuboden aus St. Gilgen“
1920
Öl auf Leinwand
90 × 100 cm
Signiert und datiert links unten: Josef / Stoitzner / 1920
Rückseitig auf alten Klebeetiketten betitelt

Provenienz

im Kinsky, 42. Kunstauktion, 26. 11. 2002, lot 94; österreichischer Privatbesitz

€ 15.000

Bei Josef Stoitzner denken wir zunächst an menschenleere, in gleißendes Licht getauchte Gebirgslandschaften oder auch an prachtvolle Stillleben. Einen ebenso festen Platz im Bildrepertoire des Malers haben jedoch auch unspektakuläre Motive wie alte Schmieden, bäuerliche Werkstätten und Scheunen, die den pittoresken Zauber einer anspruchslosen vorindustriellen Arbeitswelt vermitteln.

Die hier präsentierte Ansicht eines "Heubodens aus St. Gilgen" kommt - wie für Stoitzner charakteristisch - ohne die Anwesenheit des Menschen aus. So romantisch das Motiv auch sein mag, Stoitzner schildert die Atmosphäre des einfachen Heustadels mit denkbar nüchternem Blick und verzichtet auf dekoratives Beiwerk. Nur scheinbar sind die Bildelemente willkürlich im Raum verteilt, vielmehr hat Stoitzner jedes Detail kalkuliert und seiner Bildkomposition ein strenges formales Konzept zugrunde gelegt. Zum Angelpunkt der räumlichen Darstellung wird die Sogwirkung in die Tiefe, die den Blick vorbei am Heuwagen zum geöffneten Scheunentor und zum perspektivischen Fluchtpunkt nach außen leitet. Von dort und durch die Ritzen der Holzplanken strömt das Sonnenlicht in das Dämmrige des Heubodens und schafft die Illusion eines von Licht und Luft durchdrungenen Raumes. Das 1920 entstandene Gemälde zeigt Josef Stoitzner auf dem Höhepunkt seiner malerischen Virtuosität, die sich durch eine besondere Sensibiltät für atmosphärische Erscheinungen auszeichnet. (CMG)