Auktionshaus

Auktion: Gemälde des 19. Jahrhunderts

26. November 2015, 17:00 Uhr

1151

Ferdinand Georg Waldmüller

(Wien 1793 - 1865 Helmstreitmühle bei Mödling)

„Mädchen, einen Vorhang hochhebend und Rosen anbietend“
1855
Öl auf Leinwand
55 × 43 cm (oval)
Signiert und datiert links unten: Waldmüller / 1855

Provenienz

KR Marczel von Nemes, München; Kunsthandlung Caspari, München; Auktionshaus Helbing, München, 2. November 1933, Nr. 192; deutscher Privatbesitz; österreichischer Privatbesitz

Literatur

Bruno Grimschitz, Ferdinand Georg Waldmüller, Salzburg 1957, S. 352, Nr. 820 (SW-Abb.); Rupert Feuchtmüller, Ferdinand Georg Waldmüller. Leben - Schriften - Werke, Wien 1996, S. 507, WV-Nr. 896 (SW-Abb.)

€ 73.000

Waldmüller gilt wohl als der unbestrittene Meister der österreichischen Malerei des Biedermeiers. Vor allem Szenen des Alltags hat er wie kein zweiter lebendig und unmittelbar erfaßt. Mit größter Genauigkeit studierte er die Natur, die Gesichter der Menschen, ihre Mimik und ihre Gesten. Seine Erfahrungen mit der Theaterwelt über seine erste Frau, Katharina Weidner, mögen wohl sein Auge geschult haben, eine Szene wirkungsvoll zu gestalten, Akteure richtig im Raum zu verteilen, Licht gezielt einzusetzen. Waldmüller wußte darüberhinaus über den Reiz des Nicht-Gezeigten, des Versteckten, er lässt manches nur angedeutet, da es den Betrachter zum eigenen Nachdenken auffordert, seine eigene Phantasie anregt.

Vorliegendes Bildnis ist im Jahr 1855 entstanden. Ein blondgelocktes Kind, das unter einem blauen Vorhang hervorblickt, bietet Rosen an. Lächelnd, mit zur Seite geneigtem Kopf und vorgestrecktem Arm nimmt es mit dem Betrachter Blickkontakt auf. Gezielt zeigt Waldmüller mit diesem Werk einmal mehr seine künstlerische Fertigkeit in Komposition, Lichtregie und der Darstellung des Stofflichen. Der glänzende Vorhang, das seidig schimmernde Haar des Kindes, oder der zarte Stoff des weißen Kleides zeigen sein Können in der Oberflächengestaltung. Das Zusammenspiel von Detailrealismus und der frischen Lebendigkeit der Darstellung machen vorliegendes Gemälde zu einem schönen Beispiel in Waldmüllers Oeuvre, das seine ausgezeichnete Beobachtungsgabe sowie malerische Meisterschaft beeindruckend wiedergibt. (MS)