Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

06. Oktober 2015, 14:00 Uhr

0435

Suse Krawagna*

(Klagenfurt 1964)

„o.T.“
2014
Acryl auf Leinwand
200 × 160 cm
Rückseitig signiert und datiert: Suse Krawagna, 2014

Provenienz

Privatbesitz, Österreich

€ 7.000 - 10.000

Ausgewählt von Prof. Baum

Von Lyrischem Minimalismus angesichts neuer Bilder von Suse Krawagna zu sprechen, scheint berechtigt. Was die seit langem in Wien lebende Kärntnerin macht, ist reine Malerei: ohne falschen Aufwand, mit viel Feingefühl und überlegt reduziertem bildnerischen Kalkül behutsam entwickelt, vielleicht etwas stärker der Farbe als dem Graphischen, der Zeichnung oder genauer gesagt, den wenigen parallel gesetzten Lineamenten und Strichen zugetan, die ihre großen, immer in richtige Balance gebrachten Gemälde heute kennzeichnen und zu einem spezifischen Beitrag innerhalb der Gegenwartskunst Österreichs machen. Basierend auf klaren Grundkonzepten der nur bedingt seriellen, einzeln für sich stehenden und doch deutlich aufeinander bezogenen Arbeiten, entwickelt die Künstlerin mit Sicherheit und gewachsenem Selbstverständnis Bilder von großer Stimmigkeit und formaler Harmonie. Ihre behutsam gemalten, auch emotionaler Überprüfung standhaltenden Arbeiten, entspringen vielfach Beobachtungen in der Außenwelt, visuellen Aufmunterungen und Stimmungslagen, die autonome, nicht abbildende, auf den Malakt selbst konzentrierte Bildergebnisse zur Folge haben.

Das hier vorgestellte, aus einer erst vor kurzem abgeschlossenen Werkperiode stammende Gemälde, vereint Absichten, Erfahrungen und Fähigkeiten einer Malerin, deren relativierendes Bildverständnis deutlich Distanz zu Zeitgeist und gesteuerter Marktkonformität hält. Lapidar in seiner Struktur und von vermeintlicher Nüchternheit ist es ein Bild mit großem Atem in einer vielschichtigen, von hellblauen, türkisen und rosaroten Valeurs bestimmten, nahezu monochromen Malweise. Bildfindungen dieser Art meiden alles Laute, Aufdringliche und Eindeutige. Suse Krawagna malt Bilder, die man gleichsam entdecken und für sich erschließen muss: keine Knaller, Eye-Catcher oder ähnliche Kurzzeitprodukte. Für das, was sie macht, braucht sie viel Zeit. Das Resultat dieser Investition appelliert an den Betrachter, ähnlich vorzugehen und derartigen Beispielen großer Kammermusik Resonanz zu verschaffen, in der Sehen, Empfinden und Wissen ebenso Kunstgenuss wie Kunstverständnis beflügelt.

P e t e r B a u m