Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

12. Mai 2015, 17:00 Uhr

0025

Alfons Walde*

(Oberndorf 1891 - 1958 Kitzbühel)

„Kirchgang“
um 1923/24
Öl auf Karton
27,5 × 29,5 cm
Monogrammiert rechts unten: AW
Rückseitig originales Künstleretikett
Originaler Künstlerrahmen

Provenienz

von den Großeltern des gegenwärtigen Eigentümers direkt beim Künstler erworben; seither in Besitz der Familie (Privatbesitz, Brünn)

Das Bild ist im Werkarchiv von Alfons Walde registriert.

€ 78.000

Zeitlebens hat sich Alfons Walde mit der Figur des Bauern und dessen Lebensraum beschäftigt, war doch Kitzbühel nicht zuletzt ein bäuerlich geprägter Ort. Im Gegensatz etwa zu Albin Egger Lienz galt sein Interesse nicht so sehr der bäuerlichen Tätigkeit, vielmehr fand er sein Thema in der ländlichen Sonntags- und Feiertagsstimmung.
Das hier präsentierte Gemälde ist eine frühe Variante des beliebten, auch in späteren Schaffensphasen häufig aufgegriffenen Bildsujets "Kirchgang". Vor oder nach der Sonntagsmesse werden zwei Frauen in Festtagstracht im Gespräch am Dorfplatz gezeigt. Die beiden tratschenden Bäuerinnen füllen den Bildraum fast zur Gänze aus. Mit schwungvollem Pinselstrich deutet der Maler das dörfliche Ambiente an und notiert die Hintergrundskulisse wie auch die vorbeigehenden, vom Bildrand teils fragmentierten Figuren nur summarisch. Jede Andeutung des Individuellen, jede nähere Charakterisierung oder Ausformung von physiognomischen Zügen fehlt. Waldes Figuren sind keine Individuen, sie sind Archetypen, Träger einer allgemeingültigen Situation. Spannungsvoll hebt sich der leuchtend rote Umhang der vorderen Rückenfigur vom gedämpften bräunlichen Kolorit der Umgebung ab. Waldes Farb- und Formenkanon zeichnet sich durch wenige Farbakzente, starke Hell-Dunkel-Kontraste, vereinfachte stilisierte Formen und einen dynamischen pastosen Pinselduktus. Er erreicht größte expressive Ausdruckskraft durch äußerste Reduktion der Mittel. (CMG)