Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

26. November 2014, 15:00 Uhr

0425

Bruno Gironcoli*

(Villach 1936 - 2010 Wien)

„o.T.“
1989
Mischtechnik auf Papier
200 × 153 cm
Signiert unten mittig: B. Gironcoli

Provenienz

Aus einer österreichischen Sammlung

Literatur

Gesellschft der Freunde der Neune Galerie, Graz, und der Kärntner Landesgalerie Klagenfurt (Hg.), Bruno Gironcoli. Arbeiten auf Papier, Graz 1990, Abb. S. 87

 € 22.000

Bruno Gironcolis plastisches Werk wird von Anfang an auch von Arbeiten auf Papier begleitet. Diese haben durchaus unterschiedliche Funktionen. Zum einen handelt es sich um Entwürfe zu den Skulpturen mit der Intention das Zwei- ins Dreidimensionale zu übertragen, zum anderen sind es aber auch durchaus eigenständige Werke, in denen der Künstler in bühnenähnlichen Settings mit den unterschiedlichsten Formen und Oberflächen spielt. So kombiniert er die im skulpturalen Werk vorkommenden Silber-, Gold und Bronzetöne mit flächigen Farbzonen und zeichnerischen Elementen. Bildhauerische Formen, Gegenstände, menschliche oder tierische Elemente treffen aufeinander.

In den späteren Papierarbeiten wird Gironcoli expressiver. Die Farbe sprengt die zugrundliegenden Formen, in dünnem Auftrag rinnt sie das Papier hinunter. Fein gezeichnete Partien wechseln mit flächigen Stellen (rosa, schwarz, gold, silber) ab und dann wieder mit heftig bewegten Strichen oder über die Konturen quellende, andere Bildelemente überlagernde Partien. Die Konturen gehen teilweise auf früher datierte Zeichnungen zurück, aus denen der Künstler einzelne Formen in unterschiedlichen Arbeiten wiederverwendet, indem er sie zunächst mit Bleistift auf ein Transparentpapier überträgt und dann mit einem Stahlstift in die neue Komposition einfügt. So tauchen die beiden hundeähnlichen Figuren rechts in der Darstellung und die wohl menschliche Figur links in grau auch in anderen Papierarbeiten auf. Dann erst beginnt der Bildfindungsprozess, in dessen Verlauf Gironcoli Farbflächen anlegt, gewissen Partien mit schwarzen Umrisslinien hervorhebt und dann entstandene Zusammenhänge durch weitere Malschichten wieder auflöst und überarbeitet. Diese Überlagerung diverser Farbschichten in den unterschiedlichsten Graden an Verdünnung oder Pastosität, die durch Beimengung von Pigmenten und Kupfer- Gold oder Silberpulver entsteht, bedingt auch eine ganz eigene Oberflächenstruktur. Krater und Risse, Farbblasen und Schollen verleihen den Papierarbeiten Bruno Gironcolis einen ganz eigenen, unverwechselbaren Charakter. (Sophie Cieslar)