Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

13. Mai 2014, 17:00 Uhr

0081

Josef Stoitzner*

(Wien 1884 - 1951 Bramberg im Pinzgau)

„Inneres einer Scheune mit Heuwagen, St. Gilgen“
um 1920
Öl auf Leinwand
89 × 99 cm
Signiert rechts unten: Stoitzner Josef

Provenienz

Privatbesitz, Vorarlberg

Literatur

Erich Marx und Peter Laub (Hg.), Josef Stoitzner 1884 - 1951, Monografische Reihe zur Salzburger Kunst, Bd. 34, Salzburg 2010, Abb. S. 89

€ 20.000 - 40.000

Bei Josef Stoitzner denken wir zunächst an menschenleere, in gleißendes Licht getauchte Gebirgslandschaften oder auch an prachtvolle Stillleben. Einen ebenso festen Platz im Bildrepertoire des Malers haben jedoch auch unspektakuläre Motive wie alte Schmieden, bäuerliche Werkstätten und Scheunen, die den pittoresken Zauber einer anspruchslosen vorindustriellen Arbeitswelt vermitteln.
Die hier präsentierte Ansicht des Inneren einer Scheune in St. Gilgen kommt - wie für Stoitzner charakteristisch - ohne die Anwesenheit des Menschen aus und legt den Fokus auf die alten, verstreut herumliegenden ländlichen Gerätschaften. So romantisch das Motiv auch sein mag, Stoitzner schildert diesen in einer technisierten Welt anachronistisch wirkenden Bauernstadel mit denkbar nüchternem Blick und verzichtet auf dekoratives Beiwerk. Nur scheinbar sind die Bildelemente willkürlich im Raum verteilt, vielmehr hat Stoitzner jedes Detail streng kalkuliert und seiner Bildkomposition ein äußerst rigoroses formales Konzept zugrunde gelegt. Zum Angelpunkt der räumlichen Darstellung wird die übersteigerte Sogwirkung in die Tiefe, die den Blick vorbei am Heuwagen zum geöffneten Scheunentor und zum perspektivischen Fluchtpunkt nach außen leitet. Von dort strömt das grelle Sonnenlicht in das Dämmrige der Scheune und schafft die Illusion einer von Licht und Luft durchdrungenen Atmosphäre. Das um 1920 entstandene Gemälde zeigt Josef Stoitzner auf dem Höhepunkt seiner malerischen Virtuosität, die sich durch eine besondere Sensibiltät für atmosphärische Erscheinungen auszeichnet. (CMG)