Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

13. Mai 2014, 17:00 Uhr

0104

Wilhelm Nicolaus Prachensky*

(Innsbruck 1898 - 1956 Innsbruck)

„Blumen“
1951
Tempera auf Karton
72 × 50 cm
Signiert und datiert rechts unten: Prachensky 51

Provenienz

ehemals Sammlung Leopold

€ 18.000

Nach dem Zweiten Weltkrieg war Wilhelm Nikolaus Prachensky vor allem als Architekt tätig. Obwohl in seiner letzten Schaffensphase nur mehr wenige Bilder entstanden, fand er in dieser Zeit zu beachtenswerten malerischen Lösungen, die sich durch eine kräftige Farbigkeit auszeichnen. War dem Maler die Farbe während der Kriegsjahre immer mehr abhanden gekommen, eroberte sie sich nun mit expressiver Ausdrucksqualität eine tragende Rolle in der Bildkomposition. Vor allem Blumenaquarelle boten eine willkommene Gelegenheit zu koloristischen Ausschweifungen.
Unser Gemälde steht mit seinem strahlenden expressiven Kolorit beispielhaft für den Siegeszug der Farbe in Prachenskys späten Blumenstücken. In seiner blockhaften, formalen Strenge und einem Formenvokabular, das harte Kanten und Ecken akzentuiert, erinnert es zudem auch mehr als deutlich daran, wie prägend die Kunst Egon Schieles für den Tiroler Maler war. Bildzentral zieht sich ein vertikaler Streifen aus abstrahierten Blüten und Blättern vom oberen bis zum unteren Bildrand und artikuliert sich als ornamental-flächiges Muster, das über die Grenzen des Gemäldes hinauswächst. Es gibt kein Interesse an der rundplastischen Modellierung von weichen Blütenformen. Als eine Art hommàge an Egon Schiele wird vielmehr die radikale Flächenhaftigkeit und harte Kantigkeit der Darstellung betont. Nicht zuletzt ist auch das Verwelken der Blumen, das Prachensky durch herabhängende Blütenblätter unterstreicht, als eine Reminiszenz an „Schieleske“ Bildformeln lesbar und gewinnt – als traditionelle „Vanitas“-Metapher – einen einprägsamen Symbolcharakter, der an das Werden und Vergehen im ewigen Kreislauf der Natur erinnert. (CMG)