Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

26. November 2013, 17:00 Uhr

0555

Alfred Wickenburg*

(Gleichenberg 1885 - 1978 Graz)

„Medea“
1928
Öl auf Leinwand
124 × 78,5 cm
Monogrammiert und datiert links unten: AW 28

Provenienz

Dorotheum Wien, Auktion am 28. 05. 1998, lot 52; Prof. Dr. Rudolf Leopold, Wien; österreichischer Privatbesitz

Ausstellung

1927 Galerie Lechner, Wien; 1928 Repräsentationshaus, Prag, Kat.-Nr. 280; 1955 Galerie Welz, Salzburg, Kat.-Nr. 14; 1977 Österreichische Galerie, Wien; 1982 Künstlerhaus, Graz, Kat.-Nr. 25; 2004/05 Museum der Moderne, Salzburg

Literatur

Wilfried Skreiner, Alfred Wickenburg, Der Maler und sein Werk, Graz / Wien / Köln 1972, Abb. 15; Otmar Rychlik u. a., Alfred Wickenburg 1885 - 1978, Das künstlerische Werk 1905 - 1945, Wien 1996, WV-Nr. Ö 67, Abb. S. 233; Alfred Wickenburg - Variationen der Moderne, Katalog zur Ausstellung im Museum der Moderne Salzburg Rupertinum, 2. Oktober 2004 - 16. Jänner 2005, Abb. S. 119

€ 34.000

Die Medea-Sage gehört seit der Antike zu den bekanntesten Stoffen der Weltliteratur und auch in der Bildenden Kunst wurden einzelne Aspekte der Medea-Geschichte immer wieder thematisiert. In der griechischen Sage ist Medea die zauberkundige Tochter des Königs Aietes von Kolchis an der Ostküste des Schwarzen Meeres. König Pelias von Iolkos schickt die Argonauten nach Kolchis, um das Goldene Vlies zu erbeuten. Angeführt wird die Heldenschar der Argonauten von Jason, in den sich Medea verliebt. Sie verhilft Iason zu dem Vlies und flieht mit den Argonauten, wobei sie sich am Tod ihres Bruders schuldig macht. Sie heiratet Iason. In Iolkos ersinnt sie ihm zuliebe eine List, durch die König Pelias zu Tode kommt, worauf die beiden Iolkos verlassen und sich in Korinth niederlassen. Dort leben sie einige Zeit mit ihren zwei Söhnen. Iason verstößt Medea jedoch später, um die Tochter des Königs Kreon von Korinth zu heiraten. Aus Rache dafür ermordet Medea Kreon und dessen Tochter. An Jason übt sie in noch grausamerer Form Vergeltung: um ihn kinderlos zu machen, ermordet sie ihre eigenen Söhne.

Alfred Wickenburg löst die dramatische Frauengestalt der Medea aus jedem narrativen Zusammenhang und stellt sie als einzelne Figur in ein bühnenartiges Ambiente. Medea wird im spannungsgeladenen Augenblick unmittelbar vor der Bluttat, der Ermordung ihrer Kinder, gezeigt. Unerschütterlich und starr blickt die hinter einem Vorhang hervortretende Frauengestalt, den Dolch in ihrer Rechten, dem Betrachter entgegen. Die Dramatik der bevorstehenden Tat wird durch die roten Lippen und das schimmernde Rot des Kleides akzentuiert. Effektvoll steigert Wickenburg den Symbolcharakter der roten Farbe noch durch das blasse Inkarnat der Protagonistin und das helle Kolorit der Umgebung. Charakteristisch für Wickenburg ist die strenge, von vertikalen Linien bestimmte Komposition und der fleckige, fein nuancierte Farbauftrag. (CMG)