Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

23. April 2013, 18:00 Uhr

0062

Max Weiler*

(Absam bei Hall i. Tirol 1910 - 2001 Wien)

„Gesträuch“
1967
Tusche auf Papier
88,2 × 60 cm

€ 14.000

Max Weiler *
(Absam bei Hall i. Tirol 1910 - 2001 Wien)

Gesträuch, 1967
Tusche auf Papier; 88,2 x 60 cm
Monogrammiert rechts unten: W 67; Wkvz Weiler40
Provenienz: Privatbesitz, Österreich
Literatur: Max Weiler der Zeichner. (Hrsg.) Klaus Albrecht Schröder, Albertina, Wien; Hatze Cantz Verlag, Ostfildern 2012, 2. Auflage, Abb. S. 206

Auch nach der großen Retrospektive in der Albertina 2011 ist das großartige, seiner Malerei ebenbürtige, zeichnerische Werk Max Weilers immer noch zu entdecken, die einseitige Fixierung des Publikums auf den Farbkünstler noch zu überwinden. Über 3500 erfasste Werke aus 73 Schaffensjahren, insbesondere ein, sich in großformatigen, bildhaften Zeichnungen entfaltendes Spätwerk ab etwa 1965 bestätigen ihn als originären Meister des Schwarz Weiß.
Verzögert zur Malerei erfährt auch die Zeichnung Anfang der 60er Jahre eine Zäsur. Der Künstler entdeckte für sich die „reine“ Natur der Malerei in den Stapeln, ihm als Ersatz für eine Palette dienender Probierpapiere und eignete sich diese schrittweise an —immer im Einklang mit seiner großen Vision eines kosmologischen Naturbildes. Gezielte Auswahl, Vergrößerung und Übertragung handtellergroßer Ausschnitte der absichtslos entstandenen „Pseudomalerei“ (eigentlich von Objets Trouvées!) ist ab nun seine bevorzugte Methode.
Die beiden vorliegenden Blätter sind so unterschiedliche, wie signifikante Beispiele von Weilers Versuchen dieser Zeit, vorgefundene abstrakte Formqualität und Imagination auch zeichnerisch zu einem unverwechselbar Eigenem zusammenzuführen. Einmal in heftigen seismographischen Aufzeichnungen der Pinselbewegungen und Farbflüssen der gemalten Vorlage im Geiste des damals vorherrschenden Informel, einmal in der verfeinerten Sprache seines Spätwerkes, das durch den Zerfall der Linie und den Verzicht auf alles Gestische gekennzeichnet ist — zu Gunsten eines überindividuellen Naturbildes. (Edelbert Köb)