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Auktion: Zeitgenössische Kunst

23. April 2013, 18:00 Uhr

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Objekt

0108

Herbert Brandl*

(Graz 1959)

„o.T.“
2007
Öl auf Leinwand
300,5 × 400,5 cm

€ 60.000

Herbert Brandl *
(Graz 1959 geb.)

o.T., 2007
Öl auf Leinwand; 300,5 x 400,5 cm
Signiert rückseitig: Brandl 2007
Provenienz: Sammlung Siggi und Sissi Loch, Charity Foundation.
Rosemarie Schwarzwälder, Wien
Galerie St. Stephan, Wien
Privatbesitz, Deutschland
Literatur: Siegfried Gohr, Malerei als Experiment des Sehens in: Herbert Brandl. Landschaften. Monotypien und Gemälde, Kunsthalle Emden, Wienand Verlag, Köln 2012

NORMALBESTEUERUNG

Ich entwickle Farbe aus der Farbe heraus und nicht aus der Form. An sich handelt es sich bei meiner Malerei um Farbflecken oder Farbwolken, aus denen sich eine Hauptfarbe entwickelt, die alles überflutet. Nur am Rande werden dann noch die anderen Farben sichtbar. (Herbert Brandl)

Ludwig Wittgenstein hat in seinen Bemerkungen über die Farben gezeigt, welche Schwierigkeiten die Sprache beim Benennen von Farben hat. Ähnlich könnte anhand des Bildes von Brandl demonstriert werden, wie sehr die Wahrnehmung von Blau durch Konventionen, Kultur, Geschichte, Psychologie etc. bestimmt wird. Und hier nähert sich die Betrachtung dem Problem des emotionalen Gehalts eines solchen Gemäldes. Sobald das Werk nicht als Blau-Studie, sondern als Landschaftsausschnitt wahrgenommen wird, kommt zusätzlich zur phänomenologischen Wahrnehmung eine Fülle möglicher Emotionen ins Spiel. Seit der deutschen Romantik und Novalis‘ blauer Blume, seit dem Almanach der Künstlervereinigung Blauer Reiter steht die Farbe für Sehnsucht, Traum, Fantastisches, aber auch für Kälte, Tod, Starre etc. Je länger Brandls Gemälde beim Betrachten auf Auge und Innenleben wirkt, desto deutlicher wird es, dass der Maler das Gegenüber des Gemäldes in eine experimentelle Situation versetzt, denn eine Eindeutigkeit des emotionalen Gehaltes stellt sich nicht ein. Ist diese menschenleere Landschaft vielleicht eine blaugefärbte Wüste, ein lebensabweisender Planet? Oder bedeutet die allmähliche Aufhellung der Farbtöne einen Blick in ein hoffnungsvoll sich ausbreitendes Licht? Ähnliche Fragen lassen sich an viele Gemälde von Brandl richten. (Siegfried Gohr)

Der 1959 in Graz geborene Herbert Brandl zählt zu den wichtigsten Vertretern der in den 1980er Jahren gegründeten Kunstbewegung der Neuen Wilden. Diese Künstlergruppe wurde vor allem durch die Ausstellung „Hacken im Eis“ im Museum des 20. Jahrhunderts im Jahre 1986 bekannt. Die Themen Landschaft und Natur spielen bei Herbert Brandl seit Beginn seiner künstlerischen Tätigkeit eine zentrale Rolle. Seine Teilnahme bei der documenta IX in Kassel, 1992, der Biennale di Venezia, wo er 1997 den Österreichischen Pavillon bespielte, sowie seine Werkschau in den Deichtorhallen in Hamburg, 2009, zeigen seine Bedeutung am internationalen Kunstmarkt. 2012 präsentierte das Bank Austria Kunstforum sehr erfolgreich eine umfassende Retrospektive von Herbert Brandl. (AP)