Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

13. November 2012

0869

Anton Kolig*

(Neutitschein 1886 - 1950 Nötsch)

„Sensenmann“
1924
Öl auf Leinwand
80 × 99,5 cm

€ 35.000 - 70.000

Anton Kolig*
(Neutitschein 1886 - 1950 Nötsch)
Sensenmann, 1924
Öl auf Leinwand; 80 x 99,5 cm
Monogrammiert und datiert rechts oben: AK 24

Provenienz: österreichischer Privatbesitz

Literatur: Otmar Rychlik, Anton Kolig. 1886-1950, Das malerische Werk, Wien 2001, Nr. 182 (falsche Maßangabe), Abb. S. 276

Im Rahmen der österreichischen Kunst der Zwischenkriegszeit zählt Anton Kolig zu jenen Künstlern, die der Entwicklung der Malerei nach 1920 wesentliche Impulse zu geben vermochten. Gemeinsam mit Sebastian Isepp, Franz Wiegele und Anton Mahringer bildete Kolig den so genannten Nötscher Kreis, jenen kleinen Zirkel von Malern, der sich um 1911 im Kärntner Gailtal zu formieren begann. Obwohl Isepp und Wiegele aus Nötsch stammten, war es doch Anton Kolig, der die Rolle der zentralen Figur der Nötscher Künstlerkolonie spielte.

Am 1. Juli 1886 im nordmährischen Städtchen Neutitschein geboren, begann Kolig 1904 an der Kunstgewerbeschule in Wien zu studieren, 1907 wechselte er an die Akademie der bildenden Künste, wo er auf Wiegele und Isepp traf. Die enge Freundschaft mit Wiegele, dessen Schwester er 1911 heiratete, führte ihn in das Dorf Nötsch, das ihm zur zweiten Heimat werden sollte.

Als im Februar 1911 in den Räumen des Künstlerbundes Hagen eine spektakuläre Sonderausstellung stattfand, die mit Malern wie Oskar Kokoschka, Anton Faistauer, Franz Wiegele und Albert Paris Gütersloh einen entscheidenden Aufbruch der österreichischen Kunst in die Moderne signalisierte, waren auch eine Reihe von Anton Koligs Werken zu sehen. Carl Moll und Gustav Klimt wurden auf den jungen Künstler aufmerksam und ermöglichten ihm einen zweijährigen Studienaufenthalt in Paris, wo er sich autodidaktisch weiterbildete.

Im Sinne Paul Cézannes entwickelte Kolig nun das Prinzip der raumschaffenden Farbe weiter und verband strenge Komposition mit sinnlicher Farbenfreude. Die Tendenz zum Expressiven wird in den Bildern der französischen Phase ins Extreme gesteigert, der malerische Strich schießt über das Ziel der reinen Abbildung weit hinaus. In radikaler Weise avanciert der dynamische Bewegungsrhythmus des Malerischen selbst zum primären künstlerischen Interesse.

Im Zentrum von Koligs Schaffen steht der Mensch, was sich in zahlreichen Aktdarstellungen, aber auch in Porträts niederschlägt. Seine Sensibilität für dreidimensionale Gestaltungsprinzipien entfaltet sich wohl am eindringlichsten im Studium des jungen männlichen Körpers, einem Leitmotiv seines Oeuvres. Erst in seinen späteren Jahren entwickelte Kolig einen mehr an die farbige Fläche gebundenen malerischen Stil, der nicht zuletzt durch eine äußerst bewegte Umrisszeichnung besticht.

Schon früh fühlten sich junge Maler von Koligs künstlerischer Auffassung angezogen, ab Anfang der zwanziger Jahre pilgerten viele nach Nötsch, um sich von ihm unterrichten zu lassen. 1928 erhielt Kolig eine Professur an der Stuttgarter Kunstakademie. Sein Werk fand auch große internationale Resonanz und wurde auf zahlreichen Ausstellungen gezeigt.

Kolig, der unter dem Nazi-Regime als "entarteter Künstler" galt, lebte während der Kriegsjahre bis Herbst 1943 in Stuttgart, kehrte schließlich aber nach Nötsch zurück. Am 17. Dezember 1944 wurde Kolig mit seiner Familie bei einem Bombenangriff verschüttet und schwer verletzt. Ein großer Teil seines Werks wurde vernichtet.
(CMG)