Auktionshaus

Auktion: Alte Meister

13. November 2012

0004

Peter Paul Rubens

(Siegen 1577 - 1640 Antwerpen)

„Hélène Fourment“
Öl auf Holz
54 × 49 cm

Schätzpreis: € 50.000 - 100.000
Ergebnis: € 50.000
Auktion ist beendet.

Peter Paul Rubens Werkstatt oder Nachfolger
(Siegen 1577–1640 Antwerpen)
Hélène Fourment
Öl auf Holz; Eichenholztafel rückseitig auf ca. 3–4 mm abgeschliffen, parkettiert, 54 × 49 cm
Provenienz: Neue Galerie, Otto Kallir, Wien (laut Corpus Rubenianum dort um 1934); nach Angaben des Einbringers, jedoch bereits 1929 direkt von Otto Kallir durch den Vater des derzeitigen Besitzers erworben, seither bedeutende Österreichische Privatsammlung
Literatur: Hans Vlieghe, Portraits II, Band XIX-2 des Corpus Rubenianum Ludwig Burchard, London, 1987, S. 99, Nr. 100 (als Kopie Nr. 3, beschrieben mit unbekanntem Verbleib und als Gemälde auf Leinwand).
Gutachten Dr. Gustav Glück, Wien 29. Juni 1929, als „…ausgezeichnete, charakteristische Arbeit des Peter Paul Rubens aus der Zeit um 1639“, liegt bei.
Gutachten Dr. Robert Eigenberger, Wien 4. Juli 1929, „als eigenhändige Vorarbeit des Künstlers zu dem Bilde der Helene Fourment (…) des Baron Rothschilds in Paris“ liegt bei (in Kopie).

Im Jahre 1630 heiratete Peter Paul Rubens die junge Helene Fourment (1614–1658), nachdem seine erste Ehefrau Isabella Brant 1626 verstorben war. Auch Helene Fourment diente dem Meister als Modell. Davon zeugt beispielsweise das berühmte um 1636/38 zu datierende Gemälde „Das Pelzchen“ im Kunsthistorischen Museum, Wien. Helene Fourment schenkte dem schon betagten Künstler in zehn Ehejahren fünf Kinder. Das älteste von ihnen, Frans, wurde 1633 geboren. Um das Jahr 1639 schuf Rubens ein großes Ölgemälde seiner Gattin mit ihrem circa sechsjährigen Erstgeborenen. Mutter und Sohn stehen vor einer monumentalen Architektur, während sich im links nach hinten öffnenden Hintergrund eine Kutsche nähert. Dieses monumentale Gemälde stammte aus dem Besitz der Grafen Marlborough und war ab 1885 Eigentum der Familie Rothschild. Im Jahre 1977 wurde das Werk durch das Musée du Louvre, Paris, erworben (siehe Abb. 1).
Dr. Gustav Glück, ehemals Leiter der Gemäldegalerie des Kunsthistorischen Museums Wien, stellte in seinem 1929 verfassten Gutachten fest, es handele sich seiner Meinung nach bei vorliegendem Gemälde „um eine mit einigen Veränderungen benutzte Vorstudie zu dem bekannten Bilde der Helene Fourment in ganzer Figur, von ihrem sechsjährigen Söhnchen Frans begleitet, bei Baron Alphonse Rothschild in Paris.“ Das Gemälde zeigt Kopf-und Schulterpartie des heute im Louvre befindlichen Werkes. Helene Fourment wird als Dame der gesellschaftlichen Elite in einem spitzenbesetzten Kleid aus schwarzem und weißem Satin präsentiert. Eine mit zarten Lichtpunkten besetzte Perlenkette schmiegt sich um ihren Hals. An der Brust trägt sie ein großes edelsteinbesetztes Schmuckstück, welches wiederum durch eine Art Kette verbunden ist. Eben an dieser Stelle lassen sich kleine Unterschiede zum Louvre-Gemälde besonders deutlich erkennen. Ist der Edelsteinschmuck dort eindeutig mit einer goldfarbenen, perlbesetzten Kordelkette verbunden, welche auch noch in einer zweiten Reihe bis zur Brust führt, so ist auf vorliegendem Gemälde nur ein zarter Perlstrang angedeutet und auch die Teilstücke einer zweiten, längeren Schlaufe scheinen hier nicht erkennbar zu sein. Auch die Ausgestaltung des Gewandes am Oberarm unterscheidet sich in den beiden Werken.
Für Gustav Glück spricht gerade die qualitätsvolle Ausführung der sich unterscheidenden Partien für eine Eigenhändigkeit des Meisters selbst und zeugt auch heute von der hohen malerischen Qualität des vorliegenden Gemäldes. („Das vorliegende Stück zeigt sowohl in dem höchst lebendigen Ausdruck und der vollendeten malerischen Durchführung, als auch besonders in einzelnen Teilen, die von den entsprechenden des grossen Gemäldes abweichen, eine solche Kraft und Frische, dass nur an eine Ausführung durch des Meisters eigene Hand zu denken ist.“ Gustav Glück, 1929)