Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

02. Oktober 2012

0162

Hermann Nitsch*

(Wien 1938)

„Schüttbild“
1989/90
Öl auf Leinwand
200 × 300 cm

€ 40.000 - 80.000

Hermann Nitsch*
(Wien 1938 geb.)
Schüttbild, 1989/90
Öl auf Leinwand; 200 x 300 cm
Signiert und datiert rückseitig: hermann nitsch 89/90

"Farbe ist SEIN, BEWEGUNG, LICHT, kraftentfaltung, kernspaltung aller unzählbaren Sonnen. Farbe ist herrlichster überfluss, überschwang der natur, innigstes tiefstes SEIN und großer AUGENBLICK immerwährender entstehung und erneuerung, immerwährender geburt und AUFERSTEHUNG. Farbe ist das gegenteil der nacht des NICHTS. Farbe ist das herrliche, strahlende, lachende ereignis des seins, alle sinne nehmen durch das schmecken des auges die farbe, das SEIN wahr."
(Hermann Nitsch)

„Hermann Nitsch geht es um das extreme Ausloten der Kräfte und Erfahrungen, die das Phänomen Kunst und deren existentielle Bedeutung ausmachen. In seinem O. M. Theater versucht er es im Sinne eines orgiastischen, Akteure und Publikum weitgehend miteinander verbindenden Gesamtkunstwerks, das in erhöhter Archaik elementar an derartige Absichten bei Richard Wagner, Anton Bruckner und den grenzüberschreitenden Happenings der sechziger Jahre anschließt, in seiner sinnlichen Herausforderung und Unmittelbarkeit jedoch über diese hinausgeht. (…)
Es ist nicht barocker Überschwang, den man der Malerei von Hermann Nitsch attestieren kann, sondern vielmehr exzessive Askese, die – denkbar intensiv – in direkter Abhängigkeit von Malmaterial und künstlerischem Vorgang seine Gemälde kennzeichnet.
Kunst bedeutet Erschütterung und Katharsis. Auch diese Erkenntnis gilt für Nitsch, der von seinem Publikum eher zuviel als zuwenig verlangt und ‚aus einem heißen Herzen’ heraus, wie es Wieland Schmied einmal so treffend charakterisierte, eine Welt missioniert, die schlecht, aber nicht die schlechteste ist.
Die bildnerische Praxis fußt auf Erkenntnis und Philosophie, der Weltentwurf von Hermann Nitsch bekennt sich ausdrücklich zur Dimension des Religiösen und der Existenz des Göttlichen, zeigt sich jedoch reserviert gegenüber dem Alleinvertretungsanspruch und der Unfreiheit der Konfessionen.
Es ist nicht Pessimismus, der die Welt des Hermann Nitsch kennzeichnet, sondern Realismus in der gesamten Spannweite menschlicher Empfindungen, Ahnungen und Erkenntnisse.“
(Peter Baum, in: Hermann Nitsch, Katalog Neue Galerie der Stadt Linz, 1997)