Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

02. Oktober 2012

0069

Ernst Fuchs*

(Wien 1930 - 2015 Wien)

„Golgatha“
1948/49
Bleistift auf Papier
46 × 41 cm

€ 100.000

Ernst Fuchs*
(Wien 1930 geb.)
Golgatha, 1948/49
Bleistift auf Papier; 46 x 41 cm (Hauptbild), 4,5 x 6,5 cm (Nebenbild)
Wien, Dezember 1948 / Januar 1949
Signiert links unten: Fuchs

Provenienz: Galerie an der Düssel, Düsseldorf (Etikett auf der Rückseite); Privatbesitz, Wien
Literatur: Ernst Fuchs. Zeichnungen und Graphik aus der frühen Schaffensperiode. 1942-1959, Hg. Friedrich Haider, Wien 2003, S. 122 (Abb.)
Ausgestellt: Museum am Ostwall Dortmund, "Wiener Schule", 7.10.-2.12.1979, Kat.-nr. 63

"Wenn man mich fragt, warum ich mich damals fast täglich immer wieder mit der Formulierung dieses Schädels oder dieses schmerzverzerrten Leibes befasst habe, so kann ich darauf, wenn ich mich nun rückschauend mit diesen Arbeiten beschäftige, keine Antwort geben. Ich glaube, dass so etwas wie eine Berufung darin zu sehen ist. Wenn man sich etwas nicht selbst aussucht, so ist man versucht zu sagen, man wäre von dieser Sache aufgesucht worden oder sei von Gründen überwältigt worden, die jenseits des Bewusstseins oder der Wahl der persönlichen Bilder liegen. Von dieser Malerei ausgehend, die viele als beängstigend empfinden, oder gar als Verhöhnung Christi, habe ich mich mit der Passion Christi befasst. Für mich war um diese Zeit die Gestalt Jesu nicht unbedingt der Sohn Gottes, der die Welt erlöst hat, sondern vielmehr ein Mensch oder besser gesagt: der Mensch schlechthin, der optimale, der "ideale" Mensch. Sein Schicksal war für mich das bewegendste, das mir in den Büchern, die ich bis zu jenen Jahren gelesen hatte, begegnet war. Selbstverständlich: aus dem verheerenden Krieg kommend! Als junger Bursche, ich war damals fünfzehn Jahre alt, hat mich das erlebte Desaster der Menschen und ihrer Welt unmittelbar erschüttert, und wahrscheinlich - das ist die einzige Erklärung, die ich selber dafür finden kann - war diese Malerei eine Art Nachgeburt des Schreckens und eine Frage nach der Möglichkeit einer Erlösung durch etwas anderes, einen anderen. Diese Frage war es wahrscheinlich, die mich zu diesen Bildern geführt hat, obwohl ich mir dieser Fragestellung nicht bewusst war, sondern rein zwanghaft gehandelt habe."
(Ernst Fuchs, zitiert nach: Haider 2003, S. 123)

"Auch Ernst Fuchs selbst vermag ein so komplexes Werk wie 'Golgatha' nicht in letzter Konsequenz zu entschlüsseln, als die Bildsprache in manchen Teilabschnitten auch ins Surreale gerichtet ist. Gleichwohl lässt die eindeutige Themenbezogenheit den Stil als eher phantasmagorisch subsumieren, sind doch über die ungeheure Fülle an Details, Symbolen und kryptischen Formulierungen hinaus auch jene wesentlichen Attribute der Kreuzigungen zu erkennen, die in der Malerei seit Jahrhunderten eingesetzt worden sind und nun, mit zahlreichen biografischen Ereignissen verwoben, dieser grandiosen bildnerischen Inszenierung auch eine hochpersönliche Aussage verleihen."
(Haider 2003, S. 124)