Auktionshaus

Auktion: Gemälde des 19. Jahrhunderts

17. April 2012

0003

Jakob Alt

(Frankfurt/Main 1789 - 1872 Wien)

„Castellammare di Stabia“
1848
Öl auf Holz
32 × 39,5 cm

€ 35.000 - 70.000

Jakob Alt
(Frankfurt am Main 1789 - 1872 Wien)

Castellammare di Stabia
Öl auf Holz
32 x 39,5 cm
Signiert und datiert rechts unten: J. Alt 1848
Provenienz: Privatbesitz Wien

Jakob Alt - wie auch sein Sohn Rudolf - war in erster Linie ein Meister des Aquarells. Dennoch reichte er seit den frühen 1820er Jahren regelmäßig ein bis zwei Ölbilder zu den Jahresausstellungen der Akademie der bildenden Künste ein. Das diente dem akademischen Renommee, für den Lebensunterhalt jedoch war die Technik zu aufwendig und die Auftragslage für Aquarelle zu gut. Ölbilder wie das vorliegende sind daher sehr selten am Markt zu finden, begeistern aber immer wieder durch ihre hohe malerische Qualität.

Im Revolutionsjahr 1848, in dem dieses Bild entstand, herrschte ein strenges Reiseverbot und Jakob wie auch Rudolf Alt waren gezwungen, aus dem großen Repertoire ihrer Skizzen von vergangenen Wanderschaften zu schöpfen. Außerdem gab es genügend Zeit, in Öl zu malen.
Die Vorlage für das reizvolle und überaus malerische Bild mit dem Ausschnitt auf die Hafenbucht von Castellammare di Stabio am Golf von Neapel wird eine Skizze von der Italienreise der beiden Alts im Jahr 1835 gewesen sein. Jakob Alt verstand es, seine Handschrift der wenig ausgeübten Technik der Ölmalerei anzupassen, das Flüchtige, Impressive des Aquarells zugunsten einer größeren Tiefe und Leuchtkraft einzutauschen.
Die Konzentration des Bildes liegt auf einem einfachen, im Hafen ankernden Lasten-Zweimaster mit gerafften Segeln; die See ist ruhig, die für Italien typischen kubischen Häuserreihen beleben die Hafensilhouette, dahinter erstrecken sich dicht bewaldete Hügelzüge.
Ein beschauliches Motiv, dessen Meisterschaft in der malerischen Umsetzung zu suchen ist. So werden die Linien der Takellage mit geradezu vibrierend und leicht pastos aufgesetzten Pinselstrichen gezeichnet, sie erscheinen als raffiniertes Zeichenmuster vor den farbigen Flächen der Landschaft. Gekonnt werden die Farben der Natur nicht als reine Tonwerte erfasst sondern als eine Kombination dicht gesetzter Schattierungen. Virtuos ist weiters der Wechsel von sattem Malauftrag und pastosen Akzenten. Das einigende Element bildet das Licht, das die Farben durchtränkt und dem Bild seinen eigenen, bleibenden Glanz verleiht. (MHH)