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Auktion: Gemälde des 19. Jahrhunderts

17. April 2012

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Objekt

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Rudolf von Alt

(Wien 1812 - 1905 Wien)

„Freyung mit Schottenkirche“
1896
Aquarell auf Papier
38,5 × 51,5 cm

Schätzpreis: € 70.000 - 140.000
Ergebnis: € 70.000
Auktion ist beendet.

Rudolf von Alt
(Wien 1812 - 1905 Wien)

Blick auf die Freyung mit der Schottenkirche
Aquarell auf Papier
38,5 x 51,5 cm
Signiert und datiert rechts unten: R Alt (1)896
Provenienz: Privatbesitz Wien
ungerahmt, zusätzliche Kosten für den Rahmen: 700 Euro

Rudolf von Alt benötigte nicht das Vorbild Frankreich, sondern schuf aus eigener Kraft mit lebendigen Augen ein neues Weltbild, das „geeignet ist, sich der Seele des Betrachters zu übertragen.“ (Hugo von Hofmannstahl)

Dieses Aquarell mit dem Blick auf die Freyung von der Ecke des Palais Harrach aus gesehen ist in mehrfacher Hinsicht eine wahre Entdeckung. Zum einen befand es sich seit Generationen in einer bislang unbekannten Sammlung, ist daher auch nicht in der Literatur erfasst und erweitert nun die bislang relativ geringe Zahl bekannter Aquarelle aus den 1890er Jahren. Weiters präsentiert es eine von Rudolf von Alt selten gewählte Ansicht aus Wien. Die Freyung wird im Verzeichnis von Walter Koschatzky (1979) überhaupt nur im Jahr 1849 erwähnt, ein Aquarell davon befindet sich heute in der Sammlung des Wien Museum. Dem Blick auf das mächtige, den Platz seit Jahrhunderten bestimmende Areal der Schottenkirche mit dem angrenzenden Stift, maß Alt aber durchaus einige Bedeutung zu, wie es die Wahl des großen Formats auch unterstreicht.
Mit Sorgfalt ist der Standpunkt ausgesucht: vom Palais Harrach aus erlaubt die Blickachse, sowohl Kirche, wie auch das angrenzende erst 1836 fertiggestellte neue Stiftsgebäude von Joseph Kornhäusl und die Schottengasse zu vereinen. Bemerkenswert ist die leichte Untersicht, die eine noch großzügigere Entfaltung des Platzes erlaubt. Unterschiedliche Personen beleben die Szenerie, eingebettet in das frische Licht eines sonnigen Tages.
Die eigentliche Faszination aber liegt in der Malerei dieses unnachahmlichen Virtuosen: neben dem lockeren, teils wässerigen Farbauftrag des Himmels und der Gebäude setzen sich die Figuren und die Gestaltung des vorderen Bereiches aus einzelnen Farbpunkten zusammen. Aus der Ferne ergibt sie ein homogenes wie auch belebtes Bild, in der Nähe verschwimmen die Konturen zu abstrakten Farbflächen. Dieser impressionistische Zug wurde dem Alter des Künstlers und seinem in den 1850er Jahren auftretenden Leiden einer zitternden Hand in Verbindung gebracht, aber die ebenso erkennbare exakte Strichführung widerlegt diese Vermutung. Vielmehr liegt hier das Ergebnis einer konsequenten Weiterentwicklung eines präzisen Sehens und Wahrnehmens der Welt vor, das für die atmosphärischen Eindrücke nach adäquaten malerischen Lösungen suchte. (MHH)