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Auktion: Antiquitäten

17. April 2012

0047

Carl Ludwig Hofmeister Werkstatt

(Wien 1790 - 1843 Wien)

„Bilderuhr“
Wien, um 1835

€ 20.000

Carl Ludwig Hofmeister Werkstatt
(Wien 1790-1843 ebd.)
Museale Bilderuhr "Triumphzug Franz I. nach seinem Sieg über Napoleon"
Wien, um 1835
Öl auf Metallplatte, blattvergoldeter Ochsenaugenrahmen; Darstellung des Triumphzuges von Franz I. nach dem Sieg Erzherzog Carls über Napoleon Bonaparte bei Aspern und dem 1. Pariser Frieden im Juni 1814 (nach einem Gemälde von Johann Peter Krafft 1828, Hofburg Wien); im Kirchturm die Uhr mit Messingwerk mit 3 verdeckten Aufzügen, Federantrieb über 3 Federn, Schlag von Viertelstunden und vollen Stunden auf Tonfedern, Gehwerk mit Spindelgang; Walzen-Musikspielwerk (wohl Olbrich, Wien) mit 2 Liedern, das eine der sog. Juristenwalzer (altes Klebeetikett); Selbstauslösung (zu adaptieren); gehfähig, reinigungsbedürftig;
68 x 95 cm

Im kaiserlichen Zug Franz I. waren die Erzherzöge und Kronprinz Ferdinand sowie unter anderem die Heerführer Graf Wrbna, Fürst Schwarzenberg und Graf Radetzky. Der Kaiser wurde mit einem eigens errichteten Triumphbogen beim Kärntnertor empfangen. Auf dem Gemälde sieht man den Blick vom Triumphbogen über den Karlsplatz, das Belvedere und das Palais Schwarzenberg.

Aspern, auf dem linken Donauufer gelegen, ist zu Fuß nur etwa eine halbe Stunde von Essling entfernt. Östlich und nördlich davon breitet sich das Marchfeld aus, das im Westen vom Bisamberg begrenzt wird. Bei eben diesem stand die Armee von Erzherzog Karl, der sich nach den unglücklichen Kämpfen bei Regensburg wieder zur Donau zurückgezogen hatte. Er war fest entschlossen, den strategisch wichtigen Punkt, wo sich die Straßen nach Böhmen, Mähren und Ungarn vereinen, gegen Napoleon zu verteidigen. Die Franzosen rückten am 13. Mai in Wien ein und standen, fast 90.000 Mann stark, auf dem rechten Ufer der Donau – bereit, diese zu überschreiten. Als Übergangspunkt wählte Napoleon jene Stelle, wo die Lobau von zwei Armen der Donau umschlossen wird. Am 20. Mai begannen die Franzosen sodann den Übergang über den nördlichen Flussarm und besetzten die Dörfer Aspern und Essling; bis zum nächsten Tag hatten es etwa 30.000 Mann auf das linke Donauufer geschafft – und zwar in der Art, dass Masséna bei Aspern, Lannes bei Essling und zwischen beiden Napoleon selbst stand, als Erzherzog Karl mit seiner Armee zum Angriff auf die Franzosen schritt, um sie über die Donau zurückzuwerfen, die Brücken zu zerstören und die Ufer mit Artillerie zu besetzen.

Carl Ludwig Hof(f)meister, berühmtester und bester der bekannten Bilderuhr–Maler, wurde 1790 geboren und verstarb 1843. Er, der von der Transparentmalerei auf Glas herkam - (siehe z. B. Deckelpokal mit dem Brustbild des Erzherzog Karl im Österr. Museum, Ausstellung 1922) -, war aufwändiges und akribisches Arbeiten gewohnt. Er dürfte in Wien-Döbling, Pokornygasse, sein Atelier gehabt haben – jedenfalls finden sich dort mehrere größere Wandgemälde. Sein Erfolg war jedenfalls so groß, dass er eine Werkstätte mit einigen Malern unterhielt, die oft für die Staffage zuständig waren, während er sich den anspruchsvolleren Figuren oder der Architektur annahm. Aus seinen Darstellungen spricht geradezu exemplarisch das biedermeierliche Lebensgefühl. Meist schuf er seine Gemälde nach Stichen oder berühmten Darstellungen; so auch hier, wo er eine historische Begebenheit nach der Vorlage eines berühmten Gemäldes aus der Hofburg auf eine Bilderuhr bannte. (KS)