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Auktion: Zeitgenössische Kunst

17. April 2012

Objektübersicht
Objekt

0116

Serge Poliakoff*

(Moskau 1906 - 1969 Paris)

„Composition“
Öl auf Leinwand
81 × 65 cm

€ 100.000 - 200.000

Serge Poliakoff*
(Moskau 1906-1969 Paris)

Composition en rouge, bleu, blanc, noir et brun
Öl auf Leinwand
81 x 65 cm
1968
Signiert rechts unten: SERGE POLIAKOFF
Provenienz: Galerie Cavalero, Cannes (Etikett); Sammlung Dr. Fonteix, Paris;
Drouot 17. März 1983 Etude Laurin, Nr. 63 (Abb.); österreichischer Privatbesitz
Fotoexpertise von Alexis Poliakoff, 4.4.1984, liegt bei.
Das Werk wird in den 5. Band des Werkverzeichnisses aufgenommen und hat die Archivnummer: 968018

Serge Poliakoff hatte kirgisische Wurzeln, seine Familie stammte aus dem Hinterland Russlands nahe der chinesischen Grenze. Sein Vater hatte dort große Pferdezuchten besessen und war wohlhabend. Im Alter von zwölf Jahren bemalte Serge die Wände seines Zimmers mit Darstellungen Napoleons, den er sehr bewunderte. Ab 1914 besuchte er Malkurse in Moskau. Doch die Revolution im Jahre 1917 beendete dieses Leben voller Privilegien aprupt.

1920 wurde die Lage in Moskau sehr kritisch, sein Vater beschloss, Serge und seine Schwester Sophie mit ihrer Mutter aufs Land zu schicken, wo sie bei einer ehemaligen Dienerin untergebracht werden sollten. Doch zu diesem Zeitpunkt hatte Serge bereits insgeheim beschlossen, Russland zu verlassen. Das Umsteigen auf einem Bahnhof nützte er zur Flucht. Nach einer dramatischen Zugfahrt gelangte er nach Kiew. Von dort ging es über den Kaukasus weiter nach Georgien und nach Konstantinopel. 1923 gelangte er nach Paris, wo er bis auf wenige Jahre sein ganzes Leben verbringen sollte.

Zuerst verdiente er sich als Musiker den Lebensunterhalt, studierte aber daneben intensiv Malerei. Von 1929 an war er an der Pariser Académie Frochot und der Académie de la Grande Chaumière eingeschrieben. 1935 ging er für zwei Jahre nach London und besuchte erst die Chelsea School of Art, danach die Slade School of Art.

Poliakoff variierte zunächst die akademischen Traditionen und bevorzugte gegenständliche Motive wie Akte, Häuser und Bäume. Nach 1935 fand er sukzessive zur Abstraktion und nutzte Farbe als Farbe ohne gegenständliche Bezüge. Entscheidend beeinflusst wurde er von Kandinsky, den er in Paris kennenlernte. Durch Sonja und Robert Delaunay lernte er die emotionale Qualität der Farbe schätzen, das Interesse für Simultankontraste wurde geweckt. Auch der Bildhauer Otto Freundlich übte mit seinen gebogenen Farbform-Kompositionen maßgeblichen Einfluss auf Poliakoffs Bildsprache aus. Poliakoff entwickelte eine sehr individuelle Form abstrakter Malerei, die bunte Farbflächen nebeneinander stellt.

In den vierziger Jahren blieb er im graubraunen Farbbereich, später, ab 1950 erweiterte er seine Skala um leuchtende, gegeneinander abgesetzte Töne. Poliakoffs Werk wurde in den 1950er und 1960er Jahren in den bedeutendsten europäischen und amerikanischen Museen gezeigt. Er war Teilnehmer der documenta II (1959) und der documenta III (1964) in Kassel. Nach der Einbürgerung in Frankreich 1962 vertrat er die Grande Nation bei der Biennale in Venedig. (AR)