Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

17. April 2012

0117

Alfons Schilling*

(Basel 1934 - 2013 Wien)

„o.T.“
1962
Dispersion auf Packpapier Leinwand
208 cm Durchmesser

€ 120.000

Alfons Schilling*
(Basel 1934 geb.)

o.T.
Dispersion auf Packpapier auf Leinwand
(gemalt in einer Geschwindigkeit von einer Umdrehung pro Sekunde)
Durchmesser: 208 cm
1962
Rückseitig signiert und datiert: Schilling 1962
Literatur: Alfons Schilling. Ich/Auge/Welt - The Art of Vision. Springer-Verlag Wien 1997, S. 18 (Abb.)
Provenienz: Österreichischer Privatbesitz

In der österreichischen Kunst nach 1945 hat Alfons Schilling eine singuläre Position. Als Pionierleistung ist seine radikale Idee der motorisierten Rotationsbilder hervorzuheben: fasziniert von den Aspekten der Bewegung, des Raumes und der Zeit sowie den vielfältigen Möglichkeiten des Sehens experimentierte Schilling 1962 mit an der Wand befestigten, rotierenden, kreisförmigen Bildflächen. Bis zu zwei Meter große Holzscheiben wurden mit Leinwand bespannt und von Elektromotoren angetrieben, während der Künstler die Farbe auf den sich rasant drehenden Bildträger schüttete und schleuderte. Begonnen hatte Schilling um 1960 mit gestischer, informeller Malerei auf sehr großformatigen Papieren oder Leinwänden. In engstem Kontakt und gegenseitigem Austausch mit Günter Brus strebte Schilling damals einen radikalen Neubeginn der Malerei an, indem er mit kompositorischen Prinzipien der Tradition brach und die Grenzen der Bildfläche durch die überbordende Dynamik seiner gestischen Abstraktionen zu sprengen versuchte. Schilling postulierte in diesen frühen Jahren den Anspruch auf eine, wie er es nannte, „Totale Malerei“.
1934 in Basel geboren, studierte er an der Universität für angewandte Kunst in Wien, bevor er 1961 nach Paris übersiedelte. Dort entwickelte er die Rotationsbilder. Er lebte danach lange in New York und kehrte erst in den achtziger Jahren nach Wien zurück, wo er über mehrere Jahre eine Gastprofessur an der Universität für angewandte Kunst hatte.
In seinem späteren Schaffen wurde die Frage der Wahrnehmung und der Mechanik des Auges zu einem zentralen Thema. Er beschäftigte sich mit Hologrammen und Linsenrasterfotografie, daneben experimentierte er mit „Sehmaschinen“, so bezeichnete er seine Apparate, mit denen er die Wahrnehmung des Raumes optisch manipulierte. (CMG)