Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

17. April 2012

0122

Walter Pichler*

(Deutschnofen/Südtirol 1936 - 2012 St. Martin/Raab)

„Haus für die Schädeldecke“
1975
Mischtechnik auf Papier
61 × 83 cm

€ 14.000

Walter Pichler*
(Deutschnofen/Südtirol 1936 geb.)
Haus für die Schädeldecke
Mischtechnik auf Papier
61 x 83 cm
1975
Signiert, datiert und bezeichnet rechts unten: Walter Pichler / Haus für die Schädeldecke (St. Martin 1.11.75)
Provenienz: Österreichischer Privatbesitz

Walter Pichler besuchte erst die Kunstgewerbeschule in Innsbruck, dann die Hochschule (heute Universität) für angewandte Kunst in Wien, wo er 1955 seinen Abschluss machte. 1960 ging er nach Paris, 1963 nach New York City und Mexiko.
1963 hatte Walter Pichler auch seine erste Ausstellung: Gemeinsam mit Hans Hollein präsentierte er „Architektur“ in der Galerie nächst St. Stephan in Wien. In seinen Objekten, Skulpturen und – teilweise mobilen – Installationen beschäftigte er sich anfangs mit architektonischen Entwürfen für utopische Stadtmodelle und mit plastischen Projekten, die sich mit dem Raum und seiner individuellen Wahrnehmung auseinandersetzten. In Zusammenhang mit seinen visionären Vorstellungen von Architektur arbeitete er immer wieder mit Hans Hollein zusammen. Gemeinsam wollten sie die „Architektur von den Zwängen des Bauens befreien“, und „die Skulptur aus den Zwängen erstarrter Abstraktion lösen“.
1967 stellte Walter Pichler im Museum of Modern Art in New York aus, nahm an der Biennale de Paris teil und beteiligte sich 1968 mit drei seiner „Prototypen“ und der „Fusion von Kugeln“ an der 4. documenta in Kassel. Auch auf der documenta 6 (1977) war er vertreten. Im Jahr 1984 wurde ihm in Kassel der Arnold-Bode-Preis und 1985 in Wien der Große Österreichische Staatspreis für Bildende Kunst verliehen.
1972 erwarb Walter Pichler einen alten Bauernhof in St. Martin/Raab im Südburgenland, wo er seither lebt und arbeitet. Hier hat er eine ideale Umgebung für seine Skulpturen geschaffen, die er prinzipiell nicht verkauft, sondern in eigens für sie entworfenen Häusern bewahrt. Auf diese Weise entstand eine ganze Siedlung, neben dem Wohngebäude das „Haus für den Rumpf und die Schädeldecken“, das „Haus für die Wagen“, das „Haus für das große Kreuz“ und das „Haus für die zwei Tröge“ und einige andere.
Für die Fertigstellung einer Skulptur benötigt der Künstler zuweilen Jahrzehnte. Er fertigt dafür zahlreiche Skizzen, Pläne und Zeichnungen an, die am Markt äußerst begehrt sind. Neben den Skulpturen und Ihren Behausungen sind der Mensch, das Paar, die Frau, die Familie, die Mutter, das Kind, das Erlebnis, der Tote, der Verletzte, der Wanderer seine Zeichnungsthemen. Verbindendes Strukturmerkmal seiner gesamten Arbeit ist ihre ostentativ archaische, archetypische Sprache, die sich freilich erst dem genauen Blick erschließt. Walter Pichler legt größten Wert auf handwerkliche Präzision, typisch ist für ihn auch, dass er Materialien kombiniert, die sich nur schwer verbinden lassen.
Walter Pichler ist seine Eigenständigkeit und Unabhängigkeit immer sehr wichtig gewesen. Lehraufträge an Universitäten und Auszeichnungen hat er fast immer abgelehnt. (OHR)