Auktionshaus

Auktion: Gemälde des 19. Jahrhunderts

05. Dezember 2011

0036

Ferdinand Georg Waldmüller

(Wien 1793 - 1865 Helmstreitmühle bei Mödling)

„An der Brandstätte“
1847
Öl auf Holz
60 × 46 cm

€ 90.000

Ferdinand Georg Waldmüller
(Wien 1793 - 1865 Helmstreitmühle bei Mödling)

An der Brandstätte
Öl auf Holz
60 x 46 cm
Signiert und datiert rechts unten: Waldmüller 1847
Provenienz: Sammlung Ferdinand Bloch-Bauer, Wien; 1938/39 enteignet, 1946 restituiert; seit Mitte der 1980er Jahre Kunst- und Antiquitätenhandlung C. Bednarczyk, Wien; seit 1995 österreichischer Privatbesitz
Literatur: Bruno Grimschitz. Ferdinand Georg Waldmüller, Salzburg 1957, S. 341, Nr. 710 (Abb.); Rupert Feuchtmüller. Ferdinand Georg Waldmüller 1793-1865, Wien-München 1996, S. 495, WV-Nr. 778 (Abb.); Klaus Albrecht Schröder. Ferdinand Georg Waldmüller, München 1991, S.172, Nr. 80, Tafel 71 (Abb.); Ferdinand Georg Waldmüller, 1793-1865, Hg. Agnes Husslein-Arco und Sabine Grabner, Belvedere, Wien 2009, S. 138, Abb. 39.
Ausstellungen: 1916 Dorotheum Wien, Nr. 256; 1932 Kende, Nr. 32; 1937 Galerie Welz, Salzburg, Nr. 32; 1990 Kunstforum Wien, Nr. 80

"Unerbitterlich wirkt das Bild 'An der Brandstätte', das eine alte Bäuerin vor der Brandruine ihres Hauses zeigt. Hier sind die Tatsachen unverrückbar: das ausgebrannte leere Haus, die von Rauch geschwärzten Wände, die verkohlten Balken und Bretter. Die alte Bäuerin sitzt davor mit verschränkten Händen, rußgeschwärzten, bloßen Füßen und einem ganz nach innen gewendeten Blick. Ihre Gedanken scheinen ins Leere zu gehen. Und diese Stimmung überträgt sich auf den Betrachter; das Geschehen selbst vollzieht sich wieder in seiner Vorstellung. Damit ist und war der Interpetation natürlich ein weiter Spielraum eröffnet. Die Kritik des Dichters Adalbert Stifter, der das Bild 1854 in einer Ausstellung des oberösterreichischen Kunstvereins gesehen hatte, wollte sich nicht mit einer Tatsachenschilderung begnügen. Stifter suchte nach Gründen für Leid und Mitleid:
Von Waldmüller in Wien ist ein altes Weib in Brandruinen ausgestellt, welches mit ausgezeichneter Künstlerschaft gemalt ist, nur dürfte anzunehmen sein, dass, um Mitleid zu erregen, die Schönheit gemalt werden müßte, nicht die Häßlichkeit, wie vollendet sie auch behandelt ist. … In der That scheint es fast, wenn man so ferne steht, dass man die gemalten Thränen nicht sieht, als wollte das Bild jenen ernsteren Eindruck machen. In Behandlung des Angesichtes, der Hände, der Kleider, in Zeichnung der Verkürzungen dürfte das Bild nicht leicht seines Gleichen finden. …"
(Feuchtmüller, Wien-München 1996, S. 172)