Auktionshaus

Auktion: Gemälde des 19. Jahrhunderts

28. April 2004

0048

Tina Blau

(Wien 1845 - 1916 Wien)

Wiener Prater

Schätzpreis: € 0 - 70.000
Ergebnis: € 40.000
Auktion ist beendet.

Tina Blau
(Wien 1845 - 1916 Wien)
Wiener Prater
Öl auf Leinwand
68 x 55 cm
Signiert und datiert rechts unten: Tina Blau 187(?)
Bezeichnet rechts unten: Wien, Prater

Porträtfoto: Tina Blau

Regina Leopoldine Blau wird 1845 als Tochter eines k.k. Militärarztes in Wien geboren, sehr bald aber auf den Namen Tina gerufen. Ihr malerisches Talent wird früh erkannt und gefördert. Anton Hanely, ein Waldmüller-Schüler, unterrichtet sie vorwiegend in Blumen- und Stillebenmalerei. Schon bald aber spürt die Künstlerin den Drang hinaus in die freie Natur, der durch ihren neuen Lehrer August Schäffer gefördert wird.
Wie für viele ihrer Generation wird das Jahr 1869, das Jahr der Münchener Ausstellung französischer Malerei, auch für Tina Blau zu einem entscheidenden Wendepunkt. Die 'paysage intime' der Schule von Barbizon sollte fortan als Leitbild ihr Oeuvre begleiten.
Als zweites einschneidendes Ereignis ist die Begegnung mit Emil Jakob Schindler zu nennen, den sie mehrere Jahre malend begleitet, dabei jedoch ihre künstlerische Eigenständigkeit zu bewahren weiß. Die beiden unternehmen in der Folge mehrere Studienreisen miteinander und führen auch ein gemeinsames Atelier. 1879, im Jahr der Heirat Schindlers mit der Schauspielerin und Sängerin Anna Berger, kommt es zum Bruch.
1883 heiratet Tina Blau den Tier- und Schlachtenmaler Heinrich Lang und verlässt Wien, um sich in München niederzulassen. Nach dem Tod des Gatten 1891 kehrt sie wieder in ihre Heimatstadt zurück, wo sie auch während ihrer Abwesenheit ihr Atelier im Prater behalten hat. In ihren letzten Jahren unternimmt sie viele Reisen nach Deutschland, Holland und Istrien. Ihre Werke sind auf zahlreichen Ausstellungen vertreten und erhalten verschiedene Auszeichnungen, u.a. eine Medaille auf der Weltausstellung in Paris 1889 und auf einer Kollektivausstellung in München, 1890. Tina Blau stirbt am 31. Oktober 1916.

Bei den Pratermotiven wird Blaus Variationsfähigkeit bezüglich Komposition und Strich, welche sich nach den Wetter- und Lichtverhältnissen sowie nach den Anforderungen, die sich aus den Formaten und den damit verbundenen Ansprüchen, welche die Künstlerin an die Werke stellte, am deutlichsten.
Gerade die Praterbilder zeigen starke Unterschiede zwischen den großen Kompositionen und den oft kleinformatigen Skizzen, die meist vor Ort entstanden sein dürften und daher einen völlig anderen Ansatzpunkt und ein anderes Kunstwollen an den Tag legen. Während die großen Kompositionen einen starken repräsentativen Charakter haben und bis zu einem gewissen Grad die malerische Bewältigung der Wirkung einer bestimmten Landschaft in einem spezifischen natürlichen Licht und, damit verbunden, eine teilweise Übersteigerung dieser Erscheinungen vor Augen führen, sind die kleineren Skizzen meist dynamischer im Farbauftrag und überhaupt spontaner und authentischer. (Claus Jesina in: G. Tobias Natter, Die Landschaftsmalerin Tina Blau, Wien 1996, S.129)

Besonders charakteristisch sind Tina Blaus Baumschatten, die als eigenständige dunkle Netzwerke auf den Praterwegen liegen. Auch die einzelnen Bäume werden deutlich als Individuen aufgefasst und farbig voneinander abgegrenzt wiedergegeben.
Dies unterscheidet Blau von den meisten anderen Pratermalern vor und zu ihrer Zeit, auch von Emil Jakob Schindler, über dessen Landschaften oft eine Art sanfter Schleier zu hängen scheint, der die Farbe dämpft und vereinheitlicht.
Es wäre verfehlt, Tina Blau nur als Pratermalerin darzustellen, sicher war sie aber jene Künstlerin, die der Landschaft des Praters den größten Reichtum an Motivvarianten abzugewinnen verstand.
Tina Blaus erster Lehrer, August Schäffer (1833-1916) soll sie als erster auf den Prater als Studienort aufmerksam gemacht haben. Der Prater gehörte zu einer ganzen Reihe unterschiedlicher Landschaften, die die Künstlerin in ihren Studienjahren kennenlernte. Entscheidend wurde aber schließlich der Einzug in ihr Prateratelier, einem ehemaligen Pavillon der Weltausstellung 1873. Gemeinsam mit Emil Jakob Schindler, den sie 1866 kennengelernt hatte, und der wie eine Reihe anderer Pleinairisten, den Prater als Arbeitsplatz entdeckt hatte, bekam sie das Atelier angeboten. Zunächst lehnte sie aber ab, da Schindler, so Tina Blau, nicht bereit war, ihr einen Raum ganz für sich abzutreten. Erst 1877 "war die Verlockung des Prater (...) mächtiger als mein gefaßter Entschluß und ich arbeitete unten." (siehe: Annelie Roser-de Palma, Die Landschaftsmalerin Tina Blau, phil. Diss; Wien 1971, S. 150)
1879 übernahm Tina Blau schließlich das Atelier als Hauptmieterin. Immer wieder kehrt sie, auch während ihres Aufenthalts in München 1884 bis 1894, in dieses Atelier zurück.
Der Prater war zur Zeit Tina Blaus eine Mischung aus Wurstlprater und Auwald, aus der prächtigen Hauptallee und lauschigen Waldwegen, aus Rotunde und Lusthaus, Pferderennen und Wirtshausgärten, großen uralten Bäumen und weiten Wiesen. Mehr als fünfzig Jahre lang kam Blau immer wieder hierher in ihr "stilles Prateratelier". Sie malte die Landschaft und die sich darin aufhaltenden Menschen in immer neuen Variationen.