Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

08. Juli 2021, 14:00 Uhr

2035

Norbertine Bresslern-Roth*

(Graz 1891 - 1978 Graz)

„Frühlingssonne“
Mitte der 1970er Jahre
Öl auf Jute
50 x 70 cm
Signiert rechts unten: B. Roth
Rückseitig auf Etikett am Keilrahmen bezeichnet: "Frülingssonne" [sic] (Öl), / Bresslern-Roth, Graz

Provenienz

österreichischer Privatbesitz

Literatur

Vgl.: Christa Steinle (Hg.), Norbertine Bresslern-Roth. Tiermalerin, Ausstellungskatalog Neue Galerie Graz Universalmuseum Joanneum, 26.10.2016-17.04.2017, Graz 2016, WVG 467 (s/w-Abb.) und WVG 517 (Abb.) mit Abb. S. 199

Wir danken Frau Dr. Christa Steinle für die freundliche Bestätigung anhand von hochaufgelösten Fotos.

€ 55.000

Die Grazer Tiermalerin Norbertine Bresslern-Roth wählte für ihre Gemälde oftmals sehr dichterische Titel, die ihre volle Wirkung nicht immer auf den ersten – mit Sicherheit aber auf den zweiten Blick – entfalten. In „Frühlingssonne“ wird die wohltuende Wärme der ersten Sonnenstrahlen nach der kalten Jahreszeit behandelt. Zur Vermittlung bediente sich die Künstlerin dem Motiv zweier Katzen, die sie gegensätzlich zueinander in Szene setzte. So bilden sie mit deren Körpern ein stimmiges Ineinander, ähnlich einem Yin-Yang-Symbol. Während die hintere Katze im Schatten ist, wird die andere vom warmen Licht beschienen. Das dadurch entstehende Wohlgefühl drückt sich in einem entspannten Nickerchen der vorderen Katze aus, während die hintere Katze ihren wachen Blick aus dem Fenster schweifen lässt. Was sich draußen befindet, weiß nur sie – denn der Betrachterin bzw. dem Betrachter bleibt der Blick aus dem Fenster verwehrt. Neben dem Licht- und Schattenspiel, welches sich fast wie ein Muster auf der Fensterbank auflöst, sind besonders die bernsteinfarbenen Augen der Katze in dem Gemälde markant.
Ihre Virtuosität stellte Bresslern-Roth auch in der Zeichnung des Felles unter Beweis. Durch die Streifen des Tigerkätzchens wird ihr Körperbau deutlich herausgearbeitet. Die Beherrschung der Anatomie dieser Tiere kommt dabei zu tragen.
Die Genauigkeit, mit der Bresslern-Roth Tiere malte, ist ihren zahlreichen Studien vor dem Original zu verdanken. Neben Skizzen von Haustieren bzw. heimischen Tieren, fertigte sie zahlreiche Blätter während ihrer Wiener Studienzeit an, die auch exotische Tierarten zeigen. Von 1911 bis 1917 studierte sie bei Ferdinand Schmutzer zuerst an der Damenakademie, später in seiner Akademieklasse. Während sie bei Schmutzer in Malerei und in grafischen Techniken ausgebildet wurde, hielt sie sich in ihrer Freizeit häufig im Tiergarten Schönbrunn auf. Dort zeichnete sie vor dem lebenden Modell, hielt Posen und Bewegungsabläufe unterschiedlichster Tierarten fest.
Vor ihrer Zeit in Wien hatte sie bei Alfred Schrötter-Kristelli an der Landeskunstschule in Graz und bei Hans von Hayek in Dachau (Künstlerkolonie) studiert. 1917 kehrte sie nach Graz zurück, wo sie bis zu ihrem Lebensende blieb.
(Petra Hammer-Maier)