Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

17. Dezember 2020, 17:00 Uhr

1620

Hans Bischoffshausen*

(Feld am See/Kärnten 1927 - 1987 Villach)

„o.T.“
Anfang der 1950er Jahre
Öl auf Leinwand; gerahmt
46 x 56 cm

Provenienz

Privatbesitz, Kärnten

Diese Arbeit wird in das in Vorbereitung befindliche Werkverzeichnis von Hans Bischoffshausen aufgenommen.

€ 17.000

Dieses unbetitelte Gemälde stammt aus Bischoffshausens künstlerischer Frühzeit, in der er sich intensiv mit dem Werk von Paul Klee auseinandersetzte. Über ein halbes Jahrzehnt reflektierte der junge Kärntner in seinen Arbeiten Klees formale Bildauffassung, dessen „spielerisches Geheimnis“ (Zitat Bischoffshausen 1987) und auch seine Themen und Inhalte. Durch Klee kam Bischoffshausen nach dem langen zweiten Weltkrieg nach und nach in der Moderne an, bevor er sich in der zweiten Hälfte der 1950er auf die Suche nach seinem eigenen, originären Stil machte.

Im vorliegenden Werk ging Bischoffshausen nach dem Grundprinzip vor, den Bildraum in ein Farb-Flächengefüge aufzugliedern, wie das auch bei Paul Klee häufig zu sehen ist. Es ist ein unregelmäßiges „Raster“ aus annähernd geometrischen Flächen (Drei- und Vierecke, Kreise, Kreissegmente), die einander in manchen Bereichen auch überschneiden. Die Flächen sind mit Farben ausgefüllt, die großteils einer eher dunklen Palette aus Erdtönen entspringen, sich in einer zentralen Bildzone jedoch über Türkis bis hin zu Hellblau und Gelb erweitert. Dabei erfolgt der Farbauftrag teils opak, teils lasierend, sodass sich in einigen Bereichen Überlagerungen ergeben, die das Farb- und Formenspiel bereichern. Auch hier handelt es sich um eine Klee-Reflexion, hatte sich dieser doch um 1930 intensiv mit der Überlagerung von Farben und Flächen beschäftigt und sie in Analogie zur Musik als „Polyphone Malerei“ bezeichnet (vgl. „Polyphone Strömung“ 1929, „Schwungkräfte“ 1929, „Polyphon gefasstes Weiß“ 1930).
Im vorliegenden Werk Bischoffshausens lenkt eine Gestaltungszone durch hellere Farben, besonders viele Überschneidungen und augenförmige Flächen den Blick auf sich. Durch die herausstechende Farbgebung erinnert ein Zusammenschluss von mehreren Flächen an die Form eines Fisches, dessen Kopf und Schwanzflosse von vegetabilen Formen begrenzt werden. Anfang der 1950er Jahre schuf Bischoffshausen eine ganze Werkserie, die er unter dem Titel „Maritim“ subsumierte, und die sich wiederum formal wie thematisch stark an Paul Klee anlehnt (vgl. z.B. „Fischzauber" 1925, „Oceanische Landschaft“ 1929).

Zusammenfassend zeigt das Bild also auf mehreren Ebenen starke Klee-Reflexionen und stellt somit ein Frühwerk par excellence des jungen Hans Bischoffshausen dar.
(Clara Kaufmann)