Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

17. Dezember 2020, 17:00 Uhr

1891

Lin Fengmian*

(1900, Meixian - 1991, Hongkong)

„Jeune femme nue assise“
Tinte und Farbe auf Papier; gerahmt
70 x 70 cm
Signiert links unten mit chinesischen Schriftzeichen

Provenienz

Privatsammlung, Vereinigte Staaten von Amerika;
Privatsammlung, Frankreich;
Privatsammlung, Italien

Ein Authentizitätszertifikat von Gerald Markowitz (Enkel des Künstlers) liegt bei.

€ 120.000

Ein Gemälde, dessen dominierendes Sujet eine asiatische Schönheit ist, die durch dunkel und schlicht gezogene Konturen und ihre anmutige Körperhaltung auffällt. Im Hintergrund bilden unscharf gemalte Objekte, ganz in der Art der europäischen Zeitgenossen des Künstlers, den Rahmen. Es sind die Lotusblüten in einer Vase, gemusterte Tapeten und ein luftig leichtes Tuch, das die Beine der jungen Frau umspielt. Der Gesichtsausdruck und die zarten Farbnuancen, die die Körperlichkeit hervorheben, sind jedoch eindeutig in traditionell chinesischem Malstil gehalten.

Lin Fengmian, der 1900 in der Provinz Guangdong geboren wurde, gilt als Pionier der modernen chinesischen Malerei. Die Anfänge seiner künstlerischen Karriere lagen in Europa, wo er vorerst in Paris studierte. Hier lernte er den Postimpressionismus, Fauvismus und Primitivismus kennen um etwas später dann in Berlin Vertreter des Expressionismus wie Erich Heckel oder Emil Nolde zu entdecken. Als Lin Fengmian 1926 nach Peking zurückkam, begann er an der Nationalen Kunstschule in Peking und später als Leiter der Kunstakademie in Hangzhou zu unterrichten. Er brachte die europäischen Ideen von Perspektive, Geste und Farbe in seine Heimat und begann chinesische und westliche Kunst in einer Art Synthese zu vereinigen.

Als politisch engagierter Mensch kam Lin Fengmian in Konflikt mit dem chinesischen Regime. Viele seiner Arbeiten wurden dementsprechend während der Kulturrevolution zerstört - viele weitere hat der Künstler selbst vernichtet, um zu verhindern, dass sie gegen ihn verwendet würden. Dennoch wurde er verfolgt, gefoltert und eingesperrt. Erst 1977 konnte Lin Fengmian nach Hong Kong auswandern, wo er 1991 starb.
(Clarissa Mayer-Heinisch)