Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

17. Dezember 2020, 17:00 Uhr

1648

Imi Knoebel*

(1940, Dessau)

„o.T.“
1984
Acryl auf Hartfaserplatte; ungerahmt
203 x 172 cm
Signiert und datiert unten: imi 84
Rückseitig signiert und datiert: imi 84

Provenienz

erworben 1984, Galerie Heike Curtze, Düsseldorf;
seither Privatsammlung, Deutschland

Literatur

Vgl. Ausstellungskatalog, Imi Knoebel. Werke 1966-2014, Wolfsburg 2014, S. 95.

€ 61.000

Imi Knoebel ist ein Meister des „bildlosen Bilds“ und des „objektlosen Objekts“ – seine Werke leben von der „Spannung zwischen Materialität und Immaterialität“ (Imi Knoebel. Werke 1966-2014, Ausstellungskatalog, Kunstmuseum Wolfsburg, Wolfsburg, 2014/2015, S. 9) und sein Schaffen ist geprägt von der Gleichzeitigkeit unterschiedlicher Bildsprachen. Er pendelt dabei „zwischen Opulentem und Purem, Geometrischem und Organischem“ (s.o., S. 238).

Konsequent bezeichnet sich Knoebel als Maler und lehnt den Begriff Künstler für sich ab, obwohl er in seinen Arbeiten weder Leinwand noch Pinsel verwendet und viele seiner Werke ins Installative hineinreichen. Die Überzeugung seines Lehrers an der Düsseldorfer Kunstakademie, Joseph Beuys, dass die Malerei als Gattung obsolet sei, teilt er nicht. Immer wieder kehrt er zum Bild, im Sinne einer an der Wand hängenden Platte, zurück – überschreitet dabei aber stets Grenzen, lässt ganze Räume zu betretbaren Gemälden werden.

Die Farbe gewinnt nach einer schwarz-weißen Phase, welche seine prägende Begeisterung für das „Schwarze Quadrat“ auf weißem Grund von Kasimir Malewitsch widerspiegelt, erst in den 1970er Jahren Bedeutung für den Künstler und nimmt fortan eine zentrale Rolle in seinem Schaffen ein. Scharf begrenzte Formen getragen vom Eigenwert einer Farbe sind dabei vorherrschend. Aber es gibt auch eine andere „informelle“ Seite des Künstlers, die immer wieder in seinem Werk hervorbricht. In „OT“ von 1984 knüpft er an die Serie „Im Sommer 84“ an, in der das Malerische gegenüber dem Monochromen, Geometrischen in den Vordergrund drängt. Warme Rot- und Brauntöne erfüllen den Bildraum mit Licht. Bei näherer Betrachtung erkennen wir Schürf- und Kratzspuren im Holz, an denen die Farbe wie Blut aus offenen Wunden herabrinnt. Ein ausgeschnittenes Dreieck öffnet sich wie ein Fenster zur dahinterliegenden Wand und bezieht diese auf irritierende Weise in das Bild mit ein. Es geht einmal mehr um die Thematisierung von Figur und Grund, sowie Bild und Raum.

(Sophie Cieslar)