Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

17. Dezember 2020, 17:00 Uhr

1649

Günter Brus*

(Ardning 1938)

„Ja, so soll es sein!“
1983
Mischtechnik auf Papier; gerahmt
87 x 62 cm
Bezeichnet links oben: Ja, so soll es sein!
Signiert und datiert rechts oben: G. Brus 83

Provenienz

Studio Cannaviello;
Sammlung Carlo Monzino, Mailand;
15. und 16. Mai 2012, Christie's Amsterdam;
seither Privatsammlung, Deutschland

Schätzpreis: € 25.000 - 50.000
Ergebnis: € 35.000
Auktion ist beendet.

Der Steirer Günter Brus gilt gemeinsam mit seinen Freunden Otto Muehl, Hermann Nitsch und Rudolf Schwarzkogler als Mitbegründer des Wiener Aktionismus. 1964 trat er erstmals als Aktionist in Erscheinung – typisch wurde die weiße Körperbemalung mit dem schwarzen Strich und die Verwendung von Objekten wie Rasierklingen, Nägeln, Scheren und Sägen mit denen Brus sich zum Teil selbst Verletzungen zufügte.

Im Sommer 1968 war Günter Brus wohl der umstrittenste Künstler Österreichs. Auf Grund seiner extremen Aktion "Körperanalyse" an der Wiener Universität, die als Verunglimpfung des Staates Österreich aufgefasst wurde, erklärte man ihn in einer Pressekampagne zum "meistgehassten Österreicher". Er wurde zu 6 Monaten Arrest verurteilt, floh mit seiner Familie nach Berlin und lebte 10 Jahre im Exil, um der Haftstrafe zu entgehen. Nach einer letzten Aktion, "Zerreißprobe" 1970 in München, deren konsequente Fortsetzung eigentlich der Suizid hätte sein müssen, wandte sich Brus vom Aktionismus ab und entwickelte neue Möglichkeiten einer Kombination von Literatur und bildender Kunst, seine sogenannten Bild-Dichtungen.

In den 1970er und 1980er Jahren entstand ein reiches zeichnerisches und literarisches Werk, das mit der Zeit immer surrealer wurde und Brus ein neues Ventil bot, Kritik und Protest an Gesellschaft und Staat auf legale Weise auszuüben. Gezeichnetes, Gemaltes und Geschriebenes – kurze, lyrische Sätze – vermischen sich zu oft mehrdeutigen Metaphern, die traumartig dargestellt wurden und sich mit dem Selbst des Künstlers beschäftigen, aber auch den Dialog mit anderen Künstlern suchen. Dabei arbeitete Brus durchaus auch mit Witz, Satire und Ironie und fand so zu einer bissig-kritischen Bildsprache, die charakteristisch für seine zahlreichen Zeichnungen wurde.
(Ina Waldstein)