Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

17. Dezember 2020, 17:00 Uhr

1903

Max Weiler*

(1910, Absam bei Hall i. Tirol - 2001, Wien)

„Der Regen ist grün“
1982
Eitempera auf Leinwand
200 x 110 cm
Signiert und datiert rechts unten: Weiler 82
Rückseitig auf Keilrahmen signiert, datiert und bezeichnet: Weiler 1982 "Der Regen ist grün"

Provenienz

Privatbesitz, Österreich

Ausstellung

1984 Frankfurt a. Main, Frankfurter Kunstverein

Literatur

Peter Weiermeier, Max Weiler. Ausstellungskatalog, Frankfurter Kunstverein, Frankfurt a. Main 1984, Abb. S. 47.

€ 90.000

"Meine Malerei, nur von ihr kann ich reden, ich weiß von ihr etwas, gibt sich mit Nicht-Ausdenkbarem, Nicht-Durchschaubarem, Nicht-Planbarem, Nicht-Ausrechenbarem und Nicht-Aussprechbarem ab. Ich will, daß sie in einer reinen (puren) Weise Malerei sei, so Malerei an sich, daß sie alle Möglichkeiten der Malerei ausschöpft, alles, was man mit Malen gut oder allein mit Malen machen kann. […] So begibt sich auf meiner Bildfläche geheimnisvolles und phantastisches und - weil nicht nur dem Kopf entsprungen - reiches und assoziationsfähiges und wegen seiner Herkunft völlig in Malerei ausdrückbares und sonst nicht mitteilbares Wesen. Und so will ich meine Malerei.

Es begibt sich ein weiter Horizont, und auf der weißen Fläche breiten sich wohlverteilt die Farben aus und werden Berge, Steinstrukturen aus Titanweiß und Oxydschwarz, Flechten, Moos- und Gräserformen aus Böhmischer oder Veroneser grüner Erde oder Chromnoxydgrün stumpf und Ocker verschwimmend oder dick, wie es trifft, Punkte heben sich vom Weiß ab, Nebel aus Titanweiß, Oxydschwarz und Coelinblau mit viel Wasser ziehen auf der Fläche hin, wie es die Natur tut, oder alles spielt auf schwarzem, hoffnungslosem Grund, dem Grund der Mondhölle, der Hitze und der Kälte und der Luftlosigkeit, der Verlorenheit, und so gibt es noch unzählige nicht erklärbare Sensationen der Farben und ihrer Anordnungen.

Für Dinge, die ich mache, ist eine gewisse Zartheit vonnöten, ein scheinbarer Naturalismus, eine scheinbare Ähnlichkeit mit der Natur. Vor allem darf nichts vergewaltigt werden, weil dieses das Naturverhältnis stören würde. Bei mir selbst ist es Neuschöpfung der Natur ohne jede Naturähnlichkeit, ein neues Hervorbringen von Bergartigem, Grasartigem, Wolkenartigem, Erdartigem, Blumenartigem, Luftartigem, Baumartigem. Aber es ist nichts Abgemaltes, nichts Abgeklatschtes. […] Den unendlichen Atem hat ja nicht die Landschaft selbst, sondern wir empfinden ihr ihn an. Warum sollten wir ihn nicht in sie hineinlegen, da wir ihn selbst haben und uns in ihr ausdrücken wollen?" (Max Weiler, in: Ausst.kat. 1984, S. 64)