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Auktion: Klassische Moderne

17. Dezember 2020, 14:00 Uhr

Objektübersicht
Objekt

1301

Gustav Klimt

(Wien 1862 - 1918 Wien)

„Stehender weiblicher Akt mit erhobenem Arm, Studie für 'Pallas Athene'“
um 1898
Bleistift auf Papier
45,8 x 30,5 cm

Provenienz

Nachlass Fay Shwayder, Denver, Colorado;
Privatbesitz

Ausstellung

2012 Forli, Musei San Domenico, Wildt. Soul and shapes between Michelangelo and Klimt, 28.01.-17.06.2012;
2015 Paris, Au Temps du Klimt. La Secession a Vienne, Pinacotheque de Paris, 12.02.-21.06.2015;
2020 Leipzig, Museum der bildenden Künste Leipzig, Klinger, anlässlich 100. Todestag Max Klinger, 6.3.-16.8.2020

Literatur

Marian Bisanz-Prakken, Gustav Klimt – Egon Schiele, Wienerroither & Kohlbacher (Hg.), Band 13, Wien 2008, Kat. Nr. 1;
Marian Bisanz-Prakken, Gustav Klimt. Drawings/Zeichnungen, Wienerroither & Kohlbacher (Hg.), Wien 2012, Kat. Nr. 2;
Marian Bisanz-Prakken, Gustav Klimt. Drawings, Wienerroither & Kohlbacher (Hg.), W&K Edition, Wien 2018, Kat. Nr. 13;
Alfred Weidinger für die Stadt Leipzig, Klinger, Leipzig 2020, Kat. 103, S. 108

Dieses Werk wird von Marian Bisanz-Prakken in den Nachtrag des Werkverzeichnisses aufgenommen.

 € 80.000

Im November 1898 wurde Klimts Gemälde „Pallas Athene“ im neu errichteten Secessionsgebäude erstmals präsentiert. Das Publikum war von der modernen Interpretation der Göttin, die von Hevesi als „Dämonin der Secession“ bezeichnet wurde, schockiert: Die als Brustbild dargestellte Göttin mit dem hypnotisierend starrenden Blick hielt anstelle der klassischen, bekleideten Nike-Figur eine provozierend rothaarige, nackte Triumphgestalt auf ihrer rechten Hand. Kurz darauf vollendete Klimt sein gleichfalls programmatisches Gemälde „Nuda Veritas“ (1899), in dem die rothaarige Miniaturgestalt in „Pallas Athene“ – zu voller Lebensgröße ausgewachsen – für die Wahrheit der Kunst eintrat. Beide Frauengestalten sind frühe Vertreterinnen des modernen, schlank stilisierten Körperideals, das Klimts Allegorien der darauf folgenden Jahre entscheidend prägen sollte. Die hier gezeigte Studie hängt offensichtlich mit jenen Zeichnungen zusammen, in denen Klimt – Alice Strobl zufolge – die Triumphfigur für „Pallas Athene“ vorbereitet hat. Im Gemälde zeigt sich die kleine Licht tragende Gestalt allerdings mit seitwärts ausgestreckten Armen; in den Studien sind die Arme des frontal stehenden Modells rechtwinkelig abgebogen. Auch in der hier präsentierten Zeichnung weist der linke Arm eine tragende Funktion auf – wobei Klimt die angespannten Muskeln des Oberarms betonte –, während sich der rechte auf einem unsichtbaren Gegenstand zu stützen scheint. Die schwungvollen Umrisslinien der streng frontalen, etwas von unten gesehenen Gestalt weisen auf die „Gorgonen“ im Beethovenfries (1901–02) sowie auf die Studien für die „Veritas“ im Fakultätsbild „Jurisprudenz“ (1903) voraus.
(Marian Bisanz–Prakken, 2008)