Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

17. Dezember 2020, 14:00 Uhr

1415

Werner Berg*

(1904, Elberfeld - 1981, Rutarhof)

„Schneerosen“
1940
Öl auf Leinwand
45 x 55 cm
Monogrammiert rechts unten: W. B.

Provenienz

österreichischer Privatbesitz

Literatur

Wieland Schmid u. a., Werner Berg. Gemälde, mit einem Werkverzeichnis von Harald Scheicher, Klagenfurt 1994, WV-Nr. 246, s/w-Abb. S. 257

€ 51.000

Nachdem Bilder Werner Bergs in der berüchtigten Wanderausstellung „Entartete Kunst“ öffentlich angeprangert, beschlagnahmt und auch vernichtet wurden, kam es zum Rückzug des Künstlers auf den engsten Bereich seines Hofes. Sachlich, doch mit großer innerer Bewegtheit schilderte er nun seine Umgebung. Die inmitten einer vereisten Natur schon aufblühenden Schneerosen wurden ihm zum Zeichen des Neubeginns unter widrigsten äußeren Bedingungen.
Dies beschreibt auch eine Briefstelle aus 1951: „Ich bedenke vieles und prüfe die eigene Situation dann allemal streng bis an die Grenze meines Bewusstseins. Machen, Konvention, Betrieb und soviel nachgerade zum Landläufigen umgestülptes Hintergründige wollen sich mir nicht recht mit der schicksalhaften, inneren Figürlichkeit eines Künstlers, der sich erst in einem ganzen Leben erweisen kann, in Einklang bringen lassen. Das Andersgeartete meiner Aufgabe und Lage erscheint mir nach oft schmerzlicher Selbstkritik zuletzt dennoch bedeutsam und notwendig, und das nicht nur als ein Fall privater Rückständigkeit. Könnte ich nur endlich in den Mannesjahren, in denen man doch den Boden unter den Füßen schon etwas fester getreten haben sollte, mit ungehemmter Kraft ansetzen und arbeiten, arbeiten! Aufgeben tu‘ ich aber nicht, und das härteste Leben bleibt noch eine große Sache, die man nicht für ein Sechserl veräußern soll. So habe ich Hoffnung und eine Spur echter Gelassenheit, ob ich auch vor Ausweglosigkeit oft tobe oder, schlimmer, müde werden will. Jetzt ist es herrlich hier, stiller und verlassener denn je. Diese Zeit ist mir immer als die schönste und verheißungsvollste des ganzen Jahres erschienen, tiefer geheimnisvoll als seine Erfüllung. Gestern haben wir im Frost Barbarazweige von den Kirschbäumen geschnitten, und unterm Schnee blühen schon jetzt die ersten Schneerosen. Wie sollte da ein wirklich tödlicher Tod auch nur ausdenkbar sein!“
(Harald Scheicher)