Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

17. Dezember 2020, 14:00 Uhr

1383

Werner Berg*

(1904, Elberfeld - 1981, Rutarhof)

„Bildnis Mauki mit Phlox“
1935
Öl auf Leinwand
55,5 x 46 cm
Monogrammiert rechts oben: W.B.
Rückseitig am Keilrahmen bezeichnet und datiert: "Frauenbildnis" 1935

Provenienz

1936 vom Schwiegervater der gegenwärtigen Eigentümerin direkt beim Künstler erworben;
seither in Familienbesitz, Privatbesitz, Deutschland

Literatur

Wieland Schmid u. a., Werner Berg. Gemälde, mit einem Werkverzeichnis von Harald Scheicher, Klagenfurt 1994, WV-Nr. 45, s/w-Abb. S. 240 (dort 1931 datiert)

€ 40.000

"Schon am Anfang meines Wiener Universitätsstudiums, während dessen ich weite Reisen in den Osten machte, durfte ich meiner späteren Frau begegnen und mich verbünden, dem Menschen, der mir seither als Inbegriff von Erfüllung und Beständigkeit klar, tapfer - und voll Gesang selbst in kargsten Zeiten - zur Seite blieb", berichtet Werner Berg. Die Datierung des verschollen geglaubten Bildes im Werkverzeichnis ist zu korrigieren – wie die eigenhändige Beschriftung auf der Rückseite des Keilrahmens belegt, ist dieses Bildnis seiner Frau 1935 entstanden, wohl knapp vor der Geburt seiner Tochter Hildegard. Werner Berg schätzte und vermisste das Bild sehr. Wie kürzlich aufgefundene Briefe belegen, konnte er es 1936, als ihm ein öffentliches Ausstellen bereits verweigert wurde, im Rahmen einer privaten Ausstellung des Bielefelder Kunstvereins als eines seiner ersten Werke überhaupt verkaufen.
Die magische Wirkung des Bildes scheint eine Briefstelle Heimo Kuchlings aus 1946 zu beschreiben: "Sie haben die Kraft, das Verheerende des Chimärischen zu bezwingen und ins Gegenteil zu verkehren. Daher ist Ihre Kunst mächtig, und daher werden die Menschen um Sie, Frau und Kinder, nicht aufgezehrt: über sie schwebt die Erlösung im Werk. Sie gehen ins Bild ein, nicht nur im transzendentalen, auch im konkreten Sinne, sie werden selbst Bild, wie alles, was Sie umgibt, Bild ist: die Blumen in der Vase, die Figur in der Nische, die Kinder, der Knecht, die Magd. Ihre Frau erschüttert mich: ihr reiner, weiblicher Sinn, Empfangenes auszureifen, scheint in diesem harten, unendlich harten Leben wie eine zarte, aber unendlich schöne Blüte zu blühen; ich sah noch nie solche Empfindsamkeit gegenüber den feinsten Dingen und eine so klare Erkenntnis des Kernes der Dinge der Kunst und des Lebens, ein so starkes Gefühl für die unerbittlichen Notwendigkeiten des Lebens in der Kunst."
(Harald Scheicher)