Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

17. Dezember 2020, 14:00 Uhr

1364

Carl Moll

(1861, Wien - 1945, Wien)

„Straße in Algier“
1930
Öl auf Leinwand
65 x 50 cm
Monogrammiert rechts unten: CM
Rückseitig am Keilrahmen Etikett Gesellschaft Bildender Künstler Wiens Künstlerhaus mit Titel: Algér m. Staffage
Alte Etiketten am Keilrahmen rückseitig

Provenienz

Sammlung Alma Mahler-Werfel;
Wiener Kunst Auktionen (im Kinsky), 26.-27.09.1995, Nr. 239;
österreichischer Privatbesitz

Ausstellung

Wien 1931, Secession, CXVII, wohl Nr. 102;
Wien 1993, Klingenschmid Antiquitätenmesse (Kat. mit Abb. S. 130)

Literatur

Hans Dichand, Carl Moll, Seine Freunde. Sein Leben. Sein Werk, Salzburg 1985, Nr. 91, Abb. S. 72

Das Gemälde wurde von Frau Dr. Cornelia Cabuk unter der Nummer GE 439 für das Werkverzeichnis Carl Moll in der Reihe der Belvedere Werkverzeichnisse dokumentiert.

€ 38.500

Von Januar bis März 1930 hielt sich Moll auf Einladung von Freunden in Algier auf. Er wohnte im Nobelbezirk Hydra, an der Colonne Voirol, wo sich ein Park, der Bois de Boulogne von Algier, befand. „Unsere Freunde […] führen uns durch die moderne französische Stadt bergauf in das Europäische Viertel, in dem alte maurische Paläste und französische Villen in üppigen Gärten – Palmen, Eukalyptus, Zypressen, alle Gattungen Fruchtbäume – Orangen vorherrschend – versteckt liegen,“ schrieb Moll in seiner Autobiografie „Mein Leben“. In den Gemälden aus Algier bildet die üppige mediterrane Vegetation der hügeligen Stadtlandschaft eine Einheit mit den harmonisch in der Natur gelegenen, orientalischen Bauten. Die Morgen- und Abendstimmungen Molls aus Algier beschreiben das Zusammenspiel von Mensch und Natur in Lichtstudien mit einer unerhört reichhaltigen Skala von kräftigen Farbtönen.
Die Ansicht der Straße in Algier zeigt das unermüdliche Bestreben des nahezu 70-jährigen Künstlers, anhand der Pleinairmalerei die unterschiedlichen Lichtstimmungen des Tages minutiös zu beobachten und in Malerei umzusetzen. Wie die Impressionisten malte er Serien des gleichen Motivs, wobei sich die einzelnen Bilder durch den jeweils vorherrschenden Farbton unterscheiden. Das Bild zeigt das Straßenleben in der Dämmerung, wenn das spärliche Licht auf der Mauer und der Rinde der mächtigen Eukalyptusstämme violette bis silbrige Töne hervorruft. Die markante Oberflächenstruktur der Bruchsteinmauer lässt Moll in seinem pastosen, dynamischen Duktus markant hervortreten. Reflexe dieser spezifischen Farbstimmung finden sich auch auf den weißen Tuniken der Passanten, sodass ein harmonischer Gesamteindruck diese poetische Momentaufnahme aus der maghrebinischen Stadt charakterisiert. Bilder aus Algerien zeigte Moll mit weiteren Werken aus dem mediterranen Süden Europas in der Wiener Secession im Rahmen einer Kollektion anlässlich seines siebzigsten Geburtstags im Jahr 1931, wo mit großer Wahrscheinlichkeit auch dieses Spätwerk Molls gezeigt wurde.
(Cornelia Cabuk)