Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

17. Dezember 2020, 14:00 Uhr

1447

Max Weiler*

(Absam bei Hall i. Tirol 1910 - 2001 Wien)

„Stillleben in Rot“
1958
Öl auf Leinwand
85 x 85 cm
Signiert rechts oben: MGWeiler
Rückseitig am Keilrahmen bezeichnet: Stilleben in Rot 1958, Weiler

Provenienz

direkt vom Künstler erworben, seither in Familienbesitz, Privatbesitz Tirol

Ausstellung

1958 Wien, Max Weiler, Ausstellung in der Akademie der bildenden Künste, 17. September-31. Oktober, Kat-Nr. 46;
1959 Nürnberg, Ausstellung in der Akademie der bildenden Künste

Literatur

Wilfried Skreiner, Almut Krapf, Max Weiler. Salzburg 1975, WV-Nr. 379, s/w-Abb. S. 250

Schätzpreis: € 25.000 - 50.000
Ergebnis: € 25.000
Auktion ist beendet.

In den 1950er Jahren arbeitet Max Weiler in den unterschiedlichsten Techniken an zahlreichen öffentlichen Aufträgen, darunter Fresken und Wandmalereien ebenso wie Mosaike und Glasfenster. Nicht alle davon finden gleich eine breite Zustimmung, lösen sogar wie die Fresken in der Theresienkirche in Innsbruck-Hungerburg oder die Wandmalerei im Innsbrucker Hauptbahnhof eine äußerst kontroverse Diskussion aus. Heute gehören diese Arbeiten unbestritten zu den wichtigsten Beiträgen österreichischer Kunst jener Zeit. Ab 1955 wird das Werk des Künstlers in wichtigen nationalen und internationalen Ausstellungen gezeigt. Weiler stellt auf der III. Biennale von São Paulo aus und wird 1960 als Österreichs Vertreter auf die Biennale di Venezia entsandt. Beeindruckend war sicherlich auch die große Einzelausstellung in der Neuen Galerie der Stadt Linz/Wolfgang-Gurlitt-Museum sowie die Ausstellung in der Akademie der bildenden Künste in Wien, auf der unser Bild zu sehen war.

„Während der zweiten Hälfte der fünfziger Jahre malte der Künstler Bildergruppen, die zum Erstaunlichsten innerhalb seiner Arbeit gehören.“ (Gottfried Boehm, Der Maler Max Weiler. Das Geistige in der Natur, Wien 2001, S. 201)

„Stillleben in Rot“ gehört zu jener Werkphase, in der Max Weiler nach der vorhergehenden Chiffrierung der Natur, den Schritt in seine ganz eigene Art der Abstraktion macht. Er hat die sichtbare Realität in eine ganz persönliche Zeichensprache übersetzt, der er sich nun souverän zu bedienen versteht und mittels der die Natur als komplexes Gefüge aus Kräften und Gegenkräften dargestellt wird. Dabei spielt die Sprache der Farbe eine wesentliche Rolle. Sie bringt Dynamik und Spannung in die Komposition. In vorliegendem Bild wird Rot in allen möglichen Variationen auf seine Aussagekraft überprüft. Dieses Rot kann deckend, lasierend, dunkel, noch dunkler oder hell sein. Es kann sich in eine vorgegebene Umrissform einfügen, es kann beschnitten und sich über den Bildrand weiter fortgesetzt gedacht werden. Es drängt in den Hintergrund oder will vehement den Vordergrund erobern. Es ist in Balance oder kann, ein wenig außer Balance geraten, Bewegung ins Bild bringen und mit ausgeprägter Helligkeit Licht verbreiten. Lineare Elemente werden eingesetzt, um die Wiedererkennbarkeit der Gegenstände im Bild zustande zu bringen. Hier sind es im Raum verteilte Versatzstücke, eine tischartige Form rechts im Bild, auf der ein Stillleben mit Vase arrangiert ist, und links eine gekreuzte Form, die der Fantasie breiten Raum lässt. Vom oberen Bildrand drängt eine wolkenähnliche Formation herein. Alle Bildelemente sind vom Rand beschnitten. „Die Fragmentierung soll die projektive Phantasie des Betrachters anregen“ (Boehm, S. 134), wobei die Bildgegenstände „an alles oder nichts“ (Boehm, S. 192) erinnern können. Auch das an die Seite Rücken der einzelnen Elemente bei gleichzeitigem Freilassen der Bildmitte ist typisch für diese Schaffensperiode und dient dazu, die innerbildlichen Spannungskräfte zu erhöhen. Mit den neuen malerischen Mitteln dieser wichtigen Werkphase, gelingt es Max Weiler erstmals, Natur mit Spiritualität zu verschränken.
(Sophie Cieslar)