Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

17. Dezember 2020, 14:00 Uhr

1369

Norbertine Bresslern-Roth*

(1891, Graz - 1978, Graz)

„Orchideenjäger II“
1952
Öl auf Jute
100 x 80 cm
Signiert links unten: Br.-/ Roth
Rückseitig auf Etikett Künstlerstempel sowie eigenhändige Betitelung: "Orchideen-Jäger" II / Öl
Originalrahmen

Provenienz

direkt von der Künstlerin erworben;
seither Privatbesitz Steiermark

Ausstellung

1952 Graz, Künstlerhaus, Sonderausstellung - Norbertine Bresslern-Roth und Gustinus Ambrosi;
1962 Graz, Neue Galerie am Landesmuseum Joanneum, Norbertine Bresslern-Roth - zum 70. Geburtstag

Literatur

Helene Martischnig, Norbertine Bresslern-Roth (1891-1978). Das malerische Werk, Dipl.-Arb., Graz 1994, Abb. 191;
Christa Steinle (Hg.), Norbertine Bresslern-Roth. Tiermalerin, Ausstellungskatalog Neue Galerie Graz Universalmuseum Joanneum, 26.10.2016-17.04.2017, Graz 2016, WVG 257 (o. Abb.)

€ 61.000

Ornamentartig reproduziert Norbertine Bresslern-Roth das gleiche Motiv – die gelbe Orchidee – in mehreren Varianten und kombiniert sie mit dem „Orchideenjäger“. Jeder Zentimeter des Gemäldes ist arrangiert, nur im rechten unteren Eck bleibt gerade noch die begrenzte Aussicht auf die Reisegesellschaft im Hintergrund. Der Blick des Reptils verbindet die vordere mit der hinteren Bildebene. Durch die Komposition wächst die Echse zu einem besorgniserregenden, überdimensionierten Drachenwesen heran. Suggeriert wird die Bedrohung eines Kolosses gegenüber einer kleinen, wehrhaften Gruppe von Menschen. Diese befährt auf einem schmalen Holzboot die tropische Flusslandschaft. Am Bug steht ein als Jäger klassifizierbarer Europäer. Die einheimische Person hinter ihm ist es jedoch, die als ortskundiger Vermittler fungiert und ihn auf das Tier hinweist.
Bresslern-Roths erste Beschäftigung mit einem „exotischen“ Thema war ein Ausstattungsbild für das neugestaltete Operncafé in Graz. Der Architekt Rudolf Hofer hatte ihr 1926 den Auftrag vermittelt. Auch dieses Gemälde zeigte eine Jagdgesellschaft, die zu Boot unterwegs war. Obwohl die Künstlerin eine Vielzahl an Gemälden in tropischen Szenerien schuf, war sie selbst nie vor Ort gewesen. Nur eine Fernreise hatte sie unternommen: 1928 war das Ehepaar Bresslern nach Tripolis gereist. Diese Reise hatte starken Eindruck auf Bresslern-Roth ausgeübt.
Ihre Inspiration nahm sie aus Tierparks, den darin stattfindenden Völkerschauen und aus dem Zirkus. Weiters spielten Filme wie „Serengeti darf nicht sterben“ von Michael Grzimek (1959) und die Bücher des österreichischen Ethnologen und Fotografen Hugo Bernatzik eine gewisse Rolle. Diese Anregungen vermischten sich mit ihrer Fantasie sowie ihrer Bewunderung für die Natur und fanden in ihren Gemälden Ausdruck.
(Petra Hammer-Maier)