Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

17. Dezember 2020, 14:00 Uhr

1340

Herbert Gurschner*

(Innsbruck 1901 - 1975 London)

„Rastendes Bauernpaar“
1929
Öl auf Leinwand
95 x 80 cm
Signiert, bezeichnet und datiert links unten: Herbert Gurscher / Tirol 1929

Provenienz

österreichischer Privatbesitz;
Auktionshaus im Kinsky, 17.06.2008, Nr. 187;
seither europäische Privatsammlung

Literatur

Claudia Widder u. Roland Widder (Hg.), Herbert Gurschner. Ein Tiroler in London. Tyrolia, Innsbruck 2000, S. 99, Abb. 90

€ 15.000

Herbert Gurschner wird am 27. August 1901 in Innsbruck geboren. Schon früh zeigt sich sein künstlerisches Talent und er besucht ab 1917 im Alter von 16 Jahren die Kunstgewerbliche Fachschule in Innsbruck. Bereits im selben Jahr stellt er in der Galerie Swatschek zwei seiner Ölbilder aus. Im folgenden Jahr nimmt er am Unterricht der privaten Kunst- und Zeichenschule von Walter Thor teil und schreibt sich, sowie Wilhelm Nikolaus Prachensky, in der Akademie der bildenden Künste in München ein. Er kommt in die Klasse von Peter von Halms und kurz darauf zu Franz von Stuck. Er pendelt in den folgenden Jahren zwischen München und Innsbruck. Im Jahr 1924 heiratet er die englische Adelige Ella Dolores Erskine, die ihm die Tür in die englischen Kreise öffnet. Die neuen Kontakte verhelfen ihm zu einer Ausstellung in England. In den folgenden Jahren stößt seine Kunst auf große Begeisterung in Amerika und er unternimmt teilweise monatelange Reisen nach Italien. Im Jahr 1928 wird Herbert Gurschner als Gastaussteller in den italienischen Pavillion der Biennale eingeladen. Seine ausgestellten Werke sind ein großer Erfolg und leiten eine neue Phase in seinem Schaffen ein, die von der Neuen Sachlichkeit geprägt ist. Die zweite Ausstellung in der Fine Art Society bedeutet für Gurschner den künstlerischen Durchbruch. Das Hauptwerk der Ausstellung, das Bild „Verkündigung“, wird 1931 von der Tate Gallery erworben. Es ist das erste Werk eines österreichischen Künstlers, das für den englischen Staat angekauft wird. Auch private Sammler werden auf Herbert Gurschner aufmerksam.
In dieser Zeit ist Gurschner sehr am regen gesellschaftlichen Leben beteiligt. Er unternimmt viele Reisen, die er mit Aufträgen finanzieren kann. Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich, kehrt Herbert Gurschner nicht mehr nach Österreich zurück, sondern bemüht sich um die englische Staatsbürgerschaft. Er erhält diese und wird ins englische Militär berufen, wo er als Bühnenbildner für das Militärtheater arbeitet. Dort lernt er seine zukünftige Ehefrau Brenda Davidoff kennen.
In den Nachkriegsjahren entwickelte sich die Kunst weiter. Rasant wuchs die Nachfrage nach Künstlern des Informel. Gegenständliche Kunst war nicht mehr allzu sehr gefragt. Herbert Gurschners letzte Ausstellungen finden 1949 und 1966 statt. Er wendet sich verstärkt der Bühnenbildgestaltung zu. Seinem Heimatland Tirol bleibt er bis zu seinem Tod am 10. Januar 1975 eng verbunden. Es diente ihm Zeit seines Lebens als wichtige Inspirationsquelle.