Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

17. Dezember 2020, 14:00 Uhr

1320

Hans Böhler*

(Wien 1884 - 1961 Wien)

„Freundinnen“
1938
Öl auf Leinwand
97 x 134,5 cm
Signiert rückseitig auf der Leinwand: Hans Böhler
Nachlass-Stempel rückseitig auf der Leinwand sowie drei Stempel der Artists' Gallery New York
Rückseitig am Keilrahmen vom Künstler datiert: 27. Jänner-15. April 1938

Provenienz

aus dem Nachlass des Künstlers, USA;
Friederike Beer-Monti, USA;
österreichischer Privatbesitz;
Auktionshaus im Kinsky, 17.06.2008, Nr. 156;
seither europäische Privatsammlung

Literatur

Edition Martin Suppan (Hg.), Hans Boehler. 1884-1961, Wien 1990, S. 105, Abb. Farbtafel 28

Limit € 15.000

Der 1884 geborene Hans Böhler wird an der Privatschule Jaschke und an der Wiener Akademie zum Künstler ausgebildet. Mit seinem Fokus auf das rein Malerische gehört er der Generation der österreichischen Farbexpressionisten an, zu der auch Egon Schiele und Oskar Kokoschka gehören. Hans Böhler ist von Beginn an Mitglied der Neukunstgruppe, die von Schiele gegründet wurde und sich von der akademischen Manier abwendet. Im Jahr 1914 arbeitet Böhler gemeinsam mit Egon Schiele und Ludwig Heinrich Jungnickel in Krumau.
Hans Böhler ist ein sehr reisefreudiger Künstler und durchreist nicht nur Europa, sondern ab 1911 auch Russland, China und Japan, ebenso Indien und Amerika.
Aufgrund der politischen Veränderungen in Österreich und der zunehmenden Gefahr für Künstler durch die Nationalsozialisten, zieht Hans Böhler nach New York. Nach dem Anschluss Österreichs organisiert sein Bruder die Reise nach Amerika und kurz darauf besteigen sie gemeinsam das Passagierschiff ‚Normandie‘, das die beiden Brüder nach New York bringt. Hans Böhler lässt zahlreiche seiner Werke und seine Kunstsammlung zurück. In Amerika angekommen trifft Böhler auf seine langjährige Freundin Friederike Beer-Monti und ihren Partner, Hugh Stix, die gemeinsam eine non-profit Galerie gegründet haben, die Artists‘ Gallery, zur Unterstützung noch unbekannter Künstler.
Ein Jahr nach Böhlers Ankunft in Amerika lernt er die schwarze Künstlerin Selma Burke kennen. Als sein Modell und seine Muse nimmt er Selma sogar mit nach Paris, wo er ihr Henri Matisse vorstellt. Auf der Rundreise zeigt er ihr auch seine Heimatstadt Wien.
Mit expressivem Farbauftrag gibt er den Moment des vertrauten Beisammensitzens der "Freundinnen" wieder. Die Darstellung der menschlichen Figur steht auch bei den ‚Freundinnen‘ im Vordergrund. Nachdem die Linie aus der Malerei der Farbexpressionisten vertrieben war, nahm die Farbe die tragende Rolle bei der Gestaltung ein. Besonders dem Künstler Hans Böhler ging es um die Entwicklung einer Bildsprache, die nicht mehr dem Akademischen entspricht, sondern sich emanzipiert und der Farbe die wichtigste Rolle innerhalb eines Bildes zu Teil werden lässt.
(Anna Katharina Erdkamp)