Auktionshaus

Auktion: Alte Meister

15. Dezember 2020, 15:00 Uhr

0084

Adrian van Stalbemt

(Antwerpen 1582 - 1662 Antwerpen)

„Weite Hügellandschaft mit Reisenden“
1605-1610
Öl auf Holz, parkettiert, ungerahmt
41 x 55,5 cm

Provenienz

Privatsammlung, Italien

Literatur

Klaus Ertz/Christa Nitze-Ertz, Adriaen van Stalbemt 1580-1662. Kritischer Katalog der Gemälde, Zeichnungen und Druckgraphik, Lingen 2018, WV-Nr. 18, S. 263, S. 37 (Farbabb.)

€ 11.000

Die Komposition erhält ihren Reiz durch die Konzentration auf das zeittypische, alltägliche Treiben auf einer üppig bewachsenen Landstraße. Von einem Wald links gerahmt, erstreckt sich rechts eine weite Hügellandschaft, welche im Hintergrund den Ausblick auf eine Stadt gewährt. Hintereinander gestaffelte, horizontale Geländeabschnitte, die durch gezielt gesetzte Farbabfolgen modelliert werden, erzeugen Räumlichkeit. Die Platzierung der Figuren und Fuhrwerke wirkt zunächst zufällig und frei. Sie sind jedoch bewusst positioniert, sodass sie in die Bildtiefe hineinführen und den Blick auf den Horizont lenken. Senkrechte Elemente, so z.B. die Baumgruppe zur Linken, sind nun mehr akzentuierende bzw. auflockernde Bestandteile der Darstellung.
Stalbemts Frühwerk ist geprägt von den Flachlandschaften Jan Brueghels des Älteren, wie beispielsweise die „Landstraße“, 1603 (Museo del Prado, Madrid, Inv.-Nr. 1432) oder „Der Rohrdommeljäger“, 1605 (Gemäldegalerie Alte Meister, Staatliche Kunstsammlungen, Dresden, Inv.-Nr. 881). Das vorliegende, um 1605-10 entstandene Gemälde weist jedoch einige für Stalbemt charakteristische Elemente auf: Die „spirrigen“, dünnen, beinah strichartigen Pferdebeine sowie die gelängten Wanderer und Bauern, das feine, schräg nach oben gewischte Laubwerk der Baumkronen, das an den Blatträndern lichtdurchlässig zu sein scheint, finden sich u. a. auch in seiner „Kornernte mit Rast bei der Arbeit“(vgl. Klaus Ertz/Christa Nitze-Ertz 2018, S. 263, WVZ-Nr. 18 & 19) wieder.