Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

25. Juni 2020, 14:00 Uhr

1294

Werner Berg*

(1904, Elberfeld - 1981, Rutarhof)

„Zwei Frauen auf dem Heimweg“
1962
Öl auf Leinwand
64 x 89,5 cm
Monogrammiert links unten: W.B.

Provenienz

österreichischer Privatbesitz

Literatur

Wieland Schmid u. a., Werner Berg, Gemälde, mit einem Werkverzeichnis von Harald Scheicher, Klagenfurt 1994, Nachtrag A2, s/w-Abb. S. 335

Wir danken Herrn Dr. Harald Scheicher für die freundliche Unterstützung und das Textmanuskript.

€ 135.000

„Die etwas ausschmückende Erinnerung vergegenwärtigt sich eine Zeichnung von Daumier so: Ein Maler sitzt am Meer und malt das Meer. Hinter dem ersten Maler sitzt ein zweiter, der das Meer malt, hinter ihm der dritte tut ein Gleiches, und der zwanzigste, der mitten in den Dünen sitzt, malt immer noch das Meer. Der x-te sitzt bereits inmitten grüner Marschwiesen, und um ihn herum grasen Kühe: er malt das Meer. Der letzte sitzt in einer Dorfstraße, mit dem Blick auf den Kirchturm: er malt das Meer.

Setzt man statt „Meer“ „Paris“, so ist die Situation der bildenden Kunst in der Welt zu einem beträchtlichen Teil gekennzeichnet. Selbstverständlich tut es not, zu wissen, wo und in welcher Weise die Meilensteine der Entwicklung gesetzt werden, und ebenso ist es geboten, den eigenen Standort und seine Bedingtheiten zu erkennen.

Gestatten Sie mir bitte einige Bemerkungen zu meiner persönlichen Lage. Seit über 26 Jahren ist meine Wahlheimat Unterkärnten, das südöstlichste Grenzgebiet Österreichs, dem das Slawische der Slowenen die merkwürdige und tiefere Klangfarbe gibt. Während meiner künstlerischen Entwicklung begleitete mich die ferne Erinnerung an die große Sonderbundausstellung in Köln 1912, die eine erste umfassende Dokumentation aller Kräfte bedeutete, die seither die europäische Moderne bestimmen.

Nach einem Universitätsstudium und dem Leerlauf der Akademien kam ich viel später und unter völlig gewandelten Voraussetzungen wieder in den Bannkreis des sogenannten Expressionismus, der nun einmal – bei allen Vorzügen und Gefahren – dem Deutschen in besonderer Weise entspricht. Bald aber wurde mir die Erkenntnis richtungweisend, dass ein lediglich exaltiertes Gefühl zur Zerstörung führt, dass jegliches Bilden unter dem Gesetz von Maß und Form steht. Unter solchen Aspekten sind alle Maler von einiger Intelligenz Schüler der École de Paris. Ein eigenes und nicht geringes Kapitel würde es ausmachen, zu untersuchen, was aus einer hermetisch-mythischen Tiefenschicht, die man zu schnell und zu billig als „Folklore“ etikettiert, gerade in die Moderne eingeflossen ist, in der Musik, in der Dichtung wie in der bildenden Kunst.

In meiner Malerei war ich stets bestrebt, ein strenges bauendes Bildgefüge mit der Schwingung des Lebendigen und Besonderen zu vereinen. Hier und heute erübrigt es sich zu betonen, dass Malerei nicht eben nur durch ein Pinsel-Brio und -Furioso oder durch das Kilogewicht der Malpaste sich manifestiert. Entstammen die Themen zumeist dem Umkreis meines ländlichen Lebens, so ist dennoch das Gestalthafte Ziel und keineswegs die geschwätzige Anekdote. Die Figuralität eines Seurat ist mir näher als das Sentiment etwa eines Millet. Ich liebe es nicht, wenn das Hintergründige zum Vordergrund wird. „Qu‘est-ce qu‘il y a de plus mystérieux que la clarté“, dieses Wort von Paul Valéry war mir zeit meines bewussten Lebens Devise.“
(Werner Berg zur Eröffnung seiner Ausstellung in Paris, 1957)