Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

04. März 2020, 17:00 Uhr

0610

Karl Prantl*

(Pöttsching 1923 - 2010 Pöttsching)

„Stein zur Meditation“
1977-78
Amerikanischer Serpentin, tauerngrün
120 x 20 x 30 cm

Provenienz

direkt beim Künstler erworben;
seit den 1980er Jahren Privatbesitz, Deutschland

Ausstellung

1978 Staempfli Gallery, New York;
1981 Frankfurter Kunstverein;
1983 Hamburger Kunsthalle;
1983 Galerie Heike Curtze, Düsseldorf

Literatur

Alexander Winter, Der Steinbildhauer Karl Prantl, Werkkatalog 1950-2000. Dissertation, München 2008, Abb. S. 160, Kat. Nr. WK 229.

€ 30.000

Viele – wenn nicht letztlich sogar alle – der Steine Karl Prantls sind zur Meditation gedacht. Bei einer großen Anzahl seiner Arbeiten findet sich dieses grundsätzliche Bestreben ihres Schöpfers auch im Titel. Natürlich aber gleicht keiner der Steine dem anderen. Obgleich sie aller sehr verschieden sind (Stein, Farbe, Form, Größe, Oberfläche usw.), sind sie doch auch alle irgendwie ähnlich und auf den ersten Blick unverwechselbar als Werk des aus dem Burgenland stammenden und international tätigen Bildhauers erkennbar. Dieser Erkennungswert basiert wohl (in aller Regel) auf den glatt polierten Oberflächen (die bei manchen Skulpturen mit den unbehandelt gebliebenen rauhen Oberflächen der anderen Seiten des Steins kontrastieren), der geschlossenen Form der monolithischen Skulpturen und der plastischen Betonung der im Stein vorgefundenen Äderung. Zumeist gibt es bei Karl Prantls Skulpturen keine eindeutige Vorder- oder Rückseite. Die Steine sind allansichtig oder zumindest nahezu allansichtig. Sie nehmen in ihrer Geschlossenheit Bezug auf denjenigen, der auf sie zukommt. Die Askese und die tiefe Religiosität des Künstlers spiegelt sich, wenn auch nicht offensichtlich, in all seinen Werken.
Auch bei dem hier zur Versteigerung gelangenden „Stein zur Meditation“ finden sich einige der oben genannten Merkmale wieder. Der dunkelgrüne langgestreckte Stein hat einen strengen elliptischen Querschnitt. Die Oberflächen sind glatt poliert und ohne plastische Erhebungen oder Vertiefungen. Die Wölbung ergibt sich allein aus der Grundform. Die schlanke Skulptur ist liegend aufzustellen. Durch die hier vom Bildhauer gewählte Form ergibt sich der Kontrast zwischen der großen, gebogenen und den kleinen, geraden Flächen. Länge und Kürze, Bogen und Gerade, Weichheit und Strenge – kontrastierende Elemente, die sich auch in diesem „Stein zur Meditation“ finden, sind Charakteristika von Prantls Steinen.
Karl Prantl, der als Wegbereiter der abstrakten Bildhauerei gilt, hielt sich 1977/78 in New York und in New Mexico auf, bevor er 1978 in seinen Heimatort nach Pöttsching im Burgenland übersiedelte. In New York entstand auch der „Stein zur Meditation“ aus amerikanischem Serpentin.
Karl Prantls Arbeiten lassen sich kaum bis gar nicht kategorisieren. Wäre man ohne Kenntnis der Entstehungszeit der jeweiligen Skulpturen, könnte man wohl kaum eine treffsichere Datierung vornehmen. Dies gilt auch für die hier vorliegende Arbeit. Prantls Gesamtwerk ist von einer fließenden, gleichbleibenden Kontinuität auf hohem künstlerischen Niveau geprägt. So lässt sich auch über die hier vorliegende Arbeit nur konstatieren: ein typischer Prantl-Stein!
(Markus Kristan)