Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

04. März 2020, 17:00 Uhr

0611

Josef Pillhofer*

(Wien 1921 - 2010 Wien)

„Große Sphinx“
1951
Bronze, patiniert
130 x 83 x 69 cm
Signiert: P
Nummeriert: 2/5
Gießerstempel: Mikic
(Posthumer Guss)

Provenienz

Privatsammlung, Wien

Literatur

Vgl. Ausstellungskatalog, Steiermärkische Landesausstellung, Mürzzuschlag 1991, Josef Pillhofer, Skulpturen und Zeichnungen, Abb. Große Sphinx, Kalkstein.

€ 28.000

Die große Sphinx ist 1951 entstanden, ein Jahr nachdem Josef Pillhofer sein Studium bei Fritz Wotruba an der Wiener Akademie beendet hatte und anschließend ein Auslandsstipendium in Paris absolvierte. Wie auch auf seinen Professor, übte die französische Bildhauerei der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine große Faszination auf den jungen Studenten aus. Waren es bei Wotruba noch Auguste Rodin und Aristide Maillol, die mit ihrer Kunst den Weg zur Abstraktion in der Plastik ebneten, so wurde Pillhofer von seinem Lehrer an der Académie de la Grande Chaumière, Ossip Zadkine, beeinflusst. Wegweisend waren auch seine Bekanntschaft mit Henri Laurens und Constantin Brancusi, alles Künstler, ohne deren Beitrag die moderne Skulptur nicht denkbar wäre. Aber auch mit der Malerei der Kubisten und deren Formprinzipien setzte sich Pillhofer auseinander. Er teilte deren Bestrebung, die sichtbare Wirklichkeit zu zerlegen, sie aus geometrischen Formen neu aufzubauen und dabei Kräfteverhältnisse sichtbar zu machen. Ziel ist die Schaffung eines „idealen“ Körpers.

Wie sein Lehrer Wotruba bleibt Josef Pillhofer der menschlichen Figur treu, er reduziert im Laufe der Jahre die Gestalt immer mehr und löst sie in geometrischen Formen auf. Die „Große Sphinx“, ein wichtiges frühes Werk des Künstlers, ist aus grob behauenen Kuben aufgebaut. Die Oberfläche wird bewusst rauh belassen, man sieht die Spuren der Arbeit am Stein, hier übertragen in den Bronzeguss, der Schaffensprozess ist Bestandteil des Werks. Diese Technik des „non finito“, der Kombination aus zerklüfteten, „unfertigen“ Stellen mit fein herausgearbeiteten Partien, geht bereits auf Michelangelo zurück. Auguste Rodin hat es bewusst angewandt, um das Herauslösen der Figuren aus dem Stein zu betonen. Die einfachen, geometrischen Kuben bewirken eine Verdichtung, man spürt förmlich die zusammengeballte Energie, die aus dem Inneren herausstrahlt. Es geht Josef Pillhofer um die Gewinnung der reinen Form.
„Meine Arbeit hat mich gelehrt, daß die Bestimmung einer endgültigen Form von der Vorstellung eines inneren Zentrums, dem alle bildnerischen Verhältnisse zugeordnet sein müssen abhängt. Der Umriss, die Silhouette, ist die Begrenzung, welche von Innen her bestimmt wird und der Masse der Materie zu einem harmonischen Erscheinungsbild verhilft.“ (Josef Pillhofer in: Ausstellungskatalog, Josef Pillhofer. Skulpturen und Zeichnungen, Steiermärkische Landesausstellung, Mürzzuschlag 1991, o.S.)
Ausgehend von den Formprinzipien der Kubisten und seines Lehrmeisters Fritz Wotruba schafft Josef Pillhofer etwas gänzlich Neues und Eigenständiges, das in den Folgejahren die österreichische Bildhauerkunst prägen wird. (Sophie Cieslar)