Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

04. Dezember 2019, 16:00 Uhr

0749

Erwin Wurm*

(Bruck 1954)

„Fat Car“
2005
Mischgips, silber bemalt
H. 34, B. 102, T. 57 cm
Signiert unten: E. Wurm 2000/04
Prototyp

Provenienz

Sammlung Sanziany & Palais Rasumofsky

Ein Zertifikat des Künstlers liegt bei.

€ 85.000

Nach Überlegungen zur Dreidimensionalität, Volumen, Gewicht, Schwerkraft und Statik in früheren Arbeiten konzentrierte sich Erwin Wurm auf das Alltägliche, das er zur Skulptur erhöhte: In den „One Minute Sculptures“ wurden Menschen mit Alltagsgegenständen wie Möbeln, Kübeln, Schuhen oder Taschen in grotesk-museal anmutenden Posen bzw Situationen fotografiert und somit zur Skulptur erklärt. In der Literatur zu Wurm wird häufig von der „Erweiterung des Skulpturenbegriffs“ geschrieben, eine Idee, die an sich nicht ganz neu in der Kunstgeschichte ist, die Wurm jedoch einerseits gesellschaftskritisch angeht, aber mit einer ordentlichen Prise schrägen Humors garniert. Noch einen Schritt weiter ging er indem er Gegenständen des täglichen Gebrauchs den Nutzwert entzog bzw sie mit allzu menschlichen Eigenschaften ausstattete wie bei den „Fat Cars“ oder „Fat Houses“: Skulpturen, die Anfang der 2000er umgesetzt wurden und in kurzer Zeit einen enormen Bekanntheitsgrad erreichten. Kleinbürgerliche Statussymbole wie das Auto oder das Einfamilienhaus wurden aufgebläht und verfettet, was nicht nur optisch grotesk und irritierend wirkt sondern natürlich auch die Objekte unbrauchbar macht. Besonders Autos haben es dem Künstler angetan, geht es hier nicht nur um Status sondern auch um Mobilität, die durch das enorme Volumen obsolet wird. Dabei geht Wurm aber stets vom Menschen aus, der nicht in persona in seinem Alltag gezeigt wird (wie es beispielsweise bei den Skulpturen Duane Hansons der Fall war) sondern durch wichtige Gebrauchsgegenstände wie sein Auto, Kleidung, das Familienhaus oder -wie in jüngeren Skulpturen- das beliebte Essig-Gurkerl versinnbildlicht wird. Dass Erwin Wurm es bei der Umsetzung seiner Skulpturen auch handwerklich sehr genau nimmt beweist die Tatsache, dass in jedem der „Fat Cars“ tatsächlich ein echtes Auto steckt, das mit enormem Aufwand und vielen Schichten Polyester „angemästet“ wurde, perfekt abgeschliffen, lackiert und poliert. Andere Autos oder Gebäude lässt der Künstler schmelzen, verbiegen oder extrem verschmälern – das Spiel mit den Maßstäben faszinierte ihn immer wieder.
Der Erfolg bei Publikum und am Kunstmarkt war enorm und resultierte in verschiedensten Varianten der „Fat Cars“ sowie kleineren Modellen, zu denen auch das hier gezeigte gehört. (Ina Waldstein)