Auktionshaus

Auktion: Gemälde des 19. Jahrhunderts

22. Oktober 2019, 16:00 Uhr

0258

Franz von Defregger

(Ederhof zu Stronach b. Dölsach/Tirol 1835 - 1921 München)

„Spielende Kinder“
1906
Öl auf Holz
35 x 26,5 cm
Signiert und datiert links unten: Defregger / 1906

Provenienz

Privatbesitz, Österreich

Literatur

Hans Peter Defregger, Defregger. 1835-1921, Ergänzungsband, Rosenheimer Verlagshaus 1991, S. 47 (Farbabbildung), Archivnummer 22353;
Stadt Rosenheim (Hg.), Defregger II., Ausstellungskatalog der Städtischen Galerie Rosenheim, 1991, Nr. 138 (SW-Abb.);
Dagmar Becker-Goethel, Defregger, 1835-1921. Sonderausgabe, Rosenheim 2006, Titelbild

€ 50.000

Der Tiroler Bauernsohn Franz Defregger bildete sich vorerst autodidaktisch, ab 1862 studierte er in München an der Akademie und war von 1867 bis 1870 neben Hans Makart und Gabriel von Max Mitarbeiter im Atelier des berühmten Historienmalers Carl von Piloty. Ganz der Münchner Schule verpflichtet, schuf er vor allem bäuerliche Genreszenen und Historienbilder. Thematisch stehen in seinen Werken somit die verschiedenen Typen seiner Heimat Tirol und das Alltagsleben der Bauern im Mittelpunkt. Defregger traf mit diesen Themen den Geschmack des Publikums, er feierte mit seiner Kunst schon zu Lebzeiten große Erfolge und wurde mit Preisen ausgezeichnet. Ein besonderer Höhepunkt in seiner Laufbahn war die Berufung an die Münchner Akademie im Jahr 1878, wo er als Nachfolger Pilotys bis 1910 als Professor für Historienmalerei lehrte. 1883 schließlich wurde der bereits berühmte Künstler in den Adelsstand erhoben.

Schon zu Beginn seiner künstlerischen Laufbahn schuf Defregger eindrucksvolle Kinderbildnisse. Oft lieferten ihm seine eigenen Kinder Motive für gelungene Szenen. Vorliegendes Werk zeigt drei Mädchen und einen Knaben beim Spiel. Konzentriert bauen der Knabe und ein Mädchen mit Bauklötzen einen Turm, die beiden jüngeren Kinder beobachten interessiert die kleinen „Architekten“. Koloristisch herrscht die für Defregger typische Palette mit gedämpften, erdigen Farben vor, bei welcher das Braun des Bodens und der Wand durch farbliche Akzente in Rot, Grün und Weiß im Gewand der Kinder aufgelockert wird. Liebevoll hat Defregger den besonderen Charme der Heranwachsenden festgehalten. Die Schlichtheit der Motivwahl und die besondere Atmosphäre, in der die Figuren scheinbar mit der Umgebung verschmelzen, machen das kleine Gemälde zu einem Meisterwerkt, welches durch seine Natürlichkeit und Ruhe besticht. (MS)